Offroad-Overflow

oder How To Survive Shark Bay

 

Ja er gibt es zu: In der Shark Bay Area herrschten für Tom quasi paradiesische Zustände. Denn, daran gibt es keinen Zweifel, die interessanten Strecken gingen eben NUR mit einem Allrad!!!!

Für mich bedeutete es eigentlich “nur”, mich 3 Tage lang massiv durchschütteln zu lassen (…und mich außerdem -unter Anderem- an den westlichsten Punkt Australiens kutschieren zu lassen) Zwinkerndes Smiley Naja was macht man nicht alles mit, nur um den Herrn mit einem Leuchten in den Augen sehen zu können!

Aber alles von Anfang an:

Nach Kalbarri fuhren wir weitere 200 km bis Hamelin Pool. Dort konnten wir nochmals, ähnlich wie bei den bereits erwähnten Thromboliten in der Nähe von Bunburry, in die Geschichte abtauchen. Hier gab es allerdings noch ältere Lebensformen zu bewundern: Stromatolithen! 

 

 

Weiter ging es bis zum Abzweig nach Steep Point. Nach kurzem internen Beratschlagen und telefonischen Buchens eines Campingplatzes beim Ranger ging es dann los. 50 km befestigte Straße, weitere 50 km Gravelroad mit üblen Corrugations und 50 km Sandpiste. Dafür brauchten wir ungefähr 3 Stunden. Entlohnt wurden wir mit einem netten Plausch mit der Rangerin (die seit 21 Jahren auf dieser Halbinsel wohnt) und ihrem Tip, uns Nor 6 im Sonnenuntergang anzusehen, einem traumhaften Campingspot und 4 äußerst netten australischen Nachbarn, die uns fürs Abendbrot frisch gefangenen Fisch schenkten. Der landete dann natürlich gleich in der Pfanne.

Da wir nur für eine Nacht gezahlt hatten, mussten wir den schönen Platz leider am nächsten Morgen wieder verlassen, aber wir hatten ja noch einige Punkte auf unserer To-Do-List stehen: Zuerst schauten wir uns den westlichsten Punkt Australiens, den Steep Point an. Ein einsames und entlegenes Stückchen Erde, es wirkte wirklich ein bisschen wie das Ende der Welt…. Wir besiegelten unseren Besuch mit einem Eintrag im Visitor’s Book. Anschließend fuhren wir einen kleinen Umweg zu einem kleinem Blowhole, welches wir von weitem betrachten konnten.

Danach ging es 40 km Sandpiste zurück und wir nahmen den Abzweig zum False Entrance, in der Hoffnung dort die großen Blowholes in Aktion zu erleben. Leider herrschte nicht genügend Wellengang und so konnten wir uns nur die riesigen Löcher im Felsen anschauen, aus denen aber echt unheimliche Geräusche zu uns drangen. In Australien setzt man mittelmäßige Intelligenz der Touristen meistens voraus und so sucht man in Nationalparks Absperrungen und Geländer meistens vergebens. Einzig und allein weisen Warnschilder auf mögliche Gefahren hin. Und so kann man ganz ungeniert an den Rand von Blowholes und Klippen spazieren und hinunterschauen. Wenn man nicht aufpasst, dann hat man eben Pech gehabt, so die Devise. Also heißt es immer, ein bisschen vorsichtig sein und sich nicht überschätzen.

Auf dem Rückweg vom Edel Land ließen wir uns wieder durchschütteln und hofften inständig, dass Friedrich nicht in seine Bestandteile auseinanderfällt. Aber alles ging gut.

Um euch mal einen kleinen Überblick über die Entfernungen in Australien zu verschaffen, haben wir mal ein paar Fotos präpariert. Auf der Karte von Australien ist unser bisher zurückgelegter Weg in Schwarz markiert. Mit Rot haben wir die Region Shark Bay und den Steep Point eingerahmt. Auf dem nächsten Bild seht ihr die Strecke vom “Abzweig nach Steep Point” bis zum dem Punkt, an dem die 4-WD-Strecke anfängt (ca. 100 km), danach folgt eine Übersicht über das Edel Land mit seinen Sandpisten und allen Punkten, die wir besucht haben (orangene Kreuze) bis zum Steep Point. Die Fahrstrecke (ca. 50 km) ist ebenfalls in Orange markiert.

 

Am nächsten Tag zeigte der Himmel sich mal wieder wolkig und regnerisch. Na Prima, dachten wir uns.

Aber es nützte alles nichts, wir mussten ja schließlich vorwärts kommen. Und so schauten wir uns den berühmten Shell Beach im Regen an, den Eagle Bluff mit dicht bewölktem Himmel, Denham bei Regen…….

Wir checkten kurz die Lage im Visitor Center und brachen dann in nördliche Richtung zum Francois Peron Nationalpark auf. Wir machten Halt an einer alten Schaffarm, und schauten uns die verlassenen Schaffschererhütten an. Der Park war nämlich bis 1990 Heimat unzähliger Schafe, bis man die Gegend eben zum Nationalpark erklärte. Dann ließen wir unseren Reifendruck ab und bezahlten an der Entry Station nur noch eine Nacht auf einem Campsite, der Eintritt für den Park an sich war mit unserem Annual All Parks Pass WA bereits abgedeckt. (88 $ für alle NP’s in WA für ein Jahr)  Und dann ging die nächste Schotter-/Sandpiste los. Diesmal war es allerdings richtig heftig. Wir kämpften uns bis zu unserem Campingspot durch und wurden wieder von einem wolkenverhangenen Himmel begleitet. Ach und unterwegs zerrten Wir noch einen stecken gebliebenen Landcruiser aus dem Sand. Am Campingplatz angekommen, richteten wir dieses Mal unser Seitenzelt für die Nacht her und wanderten ein bisschen am Strand entlang. Und dann fing es auch schon an zu schütten. Beim Zähneputzen wurden wir klitschnass, so dass wir uns schnell ins Zelt zurückzogen. Allerdings war es dort auch nicht ganz trocken. Alles in allem eben ein richtig perfekter Tag zum Campen.

Der nächste Tag zeigte sich äußerst wechselhaft. Und bei diesem Sonne-Regen-Gemisch klapperten wir die restlichen Attraktionen des Parks ab: Cape Peron, den wunderschönen Skipjack Point und Herald Bight, wo wir bis zum Strand fuhren und eine Mittagspause einlegten (da endlich die Sonne schien). Und das stimmte uns dann wettertechnisch wieder etwas friedlicher.

Zum Nachmittag hin verließen wir den Park und buchten im Visitor Center einen Buschcampingplatz am Meer ca. 40 km südlich von Denham.

 

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In und um Kalbarri

Nachdem wir den etwas eigenartigen Prinzenstaat verlassen hatten, zog es uns direkt in Richtung Kalbarri. Vorher zerlegte es uns allerdings unseren heiligen Kompressor. Den brauchen wir natürlich unbedingt, da bei jeder Offroad/ Gravelroadstrecke die Luft unserer Reifen abgelassen und danach natürlich wieder aufgepumpt werden muss und Tankstellen einfach viel zu weit auseinanderliegen, als das man das dort erledigen könnte. Und da in Australien eben sowieso alles dermaßen weit auseinander liegt, bedeutet das für uns, dass wir allerlei Utensilien, sprich Kisten mit Werkzeug in allen Größen und Formen, 2 Ersatzräder, Wasserkanister, Brems- und Kühlflüssigkeiten, Öl, diverse Ersatzteile und eben auch den Kompressor auf dem Dach vom Friedrich mit uns herumschleppen. Einfach um für JEDEN Fall gewappnet zu sein. HAHA. Es trifft dann natürlich immer genau das ein, worauf man sich nicht vorbereitet hat….. Nun also der Kompressor. Zum Glück hat es ihn erst beim Aufpumpen des 4. Rad zerlegt, so dass wir glücklicherweise weiterfahren konnten.

Kalbarri begrüßte uns dann erstmal mit ein paar schönen Lookouts entlang der Küste aus roten Sandsteinklippen. Beim Entlangschlendern auf den Aussichtsplattformen und Verbindungswegen konnten wir sogar aus der Ferne eine Walkuh mit Kalb im Ozean beobachten.

 

An der nächsten Tanke mit Mini-Baumarkt konnten wir dann für 190 $ einen neuen – wenn auch kleineren – Kompressor ergattern. Der alte flog direkt in die (Haus)Mülltonne….. (Mülltrennung ist in Australien kein Thema).

Für die Nacht sicherten wir uns einen Platz auf einem richtigen Campingplatz mit Dusche. Umgeben von Gänsen, Hühnern, Lamas, Ziegen, Pferden und Panzern (siehe Fotos) verbrachten wir den Nachmittag und die (kalte) Nacht auf dieser kleinen Farm.

Am nächsten Tag besuchten wir den Nationalpark. Zuerst stärkten wir uns auf dem Parkplatz des ersten Aussichtspunkt mit einem Frühstück (Toast mit Spiegelei) und wanderten dann zum “Natures Window”. Dies ist ein absolut wunderschönes Fotomotiv. Es handelt sich hierbei um einen kleinen Arch, durch den man durchschauen und den Fluss im Hintergrund sehen kann. Ungefähr so wie die Arches in Utah, USA, wem das ein Begriff ist. Wer will kann auch gern unter der Rubrik USA mal im Blog stöbern, da könnt ihr den richtig großen Arche sehen. Jedenfalls hatte man von dort einen genialen Blick über den Canyon und den Fluss. Einfach herrlich. Alles in allem wirkte es wie ein kleiner Grand Canyon. (Zum Original gibt es im Blog auch Fotos zu bewundern) Zum Glück waren wir recht früh dran und der Menschenauflauf hielt sich noch in Grenzen.

Nacheinander klapperten wir dann alle Hotspots des Nationalparks ab – Z-Bend, Hawk’s Head und Ross Graham, und machten auch eine kleine Klettertour durch die roten, zerklüfteten Felsen zum Murchison River hinunter und genossen die Ruhe.

Am Abend fanden wir dann eine Rest-Area und teilten den Platz mit gefühlt 10000 Rentnern in Wohnwagen und Wohnmobilen mit ihren Pfiffis und Miezies….

Perth, Pinnacles und ein paar Prinzen

“Its too hard to say goodbye – so see you later!. “ – mit diesen Gedanken und Vorsatz verabschiedeten wir uns von “unserer kleinen Farm”. Wir tauschten Abschiedsgeschenke aus, drückten unsere Ersatzfamilie und streichelten alle kleinen und großen Vierbeiner noch einmal, bevor wir dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge ins Auto stiegen und in Richtung Nordwesten davonbrausten.

Das war es also. Das Kapitel “Dairyfarm” war hiermit beendet. Und wir wissen, es war eine der besten Erfahrungen, die wir gemacht haben.

 

 

In Perth angekommen, erwartete uns ein (für unsere Verhältnisse) luxuriöses Hotelzimmer und ein Sandwich von Subways. Trotz des Tapetenwechsels schwelgten wir immer noch in Erinnerungen und waren eher ein bisschen nostalgisch. Die letzten 5,5 Monate waren sooo schnell vergangen und kamen (und kommen immer noch) uns irgendwie eher unwirklich vor. Ein bisschen verloren fühlten wir uns im Großstadtdschungel ebenfalls. Aber alles eine Sache der Gewöhnung.

Bei mittelschweren Regenschauern haben wir es dann am ersten Tag in Perth nur in den Supermarkt und dann in die Art Gallery geschafft. Am Abend konnten wir uns noch dazu durchringen, eine Pizzeria in Northbridge aufzusuchen.

Der nächste Tag begrüßte uns dann schon wieder gewohnt perthmäßig mit Sonnenschein und blauem Himmel. Ja, genau so stellten wir uns einen australischen Wintertag vor. Also bummelten wir noch einmal (wie schon ein halbes Jahr zuvor) durch die Einkaufsstraßen Perth’s und schlenderten zum Elizabeth Quay. Später gelangten wir mit der Bahn ins schöne Fremantle, um einen Abstecher in die Brauerei “Little Creatures” zu machen. Bei einer wundervollen Auswahl kühler Biere zum Probieren und leckeren Nachos ließen wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen und fühlten uns wirklich wie im Urlaub.

Am nächsten Tag waren wir schon wieder in Aufbruchsstimmung. Aber so richtig losreißen konnten wir uns nicht von unserer kleinen Stadtoase. Aber es nütze alles nichts. Das Highlight des Tages war dann erstmal ein Besuch im Aldi. Nach einem halben Jahr Abstinenz konnten wir auch gar nicht so viel kaufen wie wir wollten.

 

 

Die nächste Station waren die Pinnacles im Nambung NP. Dort konnten wir bei strahlendem Sonnenschein die 0,5 bis ca. 2,5 m hohen verwitterten Kalksteinsäulen, die wunderbar als Fotomotive herhielten, bewundern.

Für die Nacht hatte Tom uns ein Freecamp direkt am Meer herausgesucht. Allerdings war von Romantik dort nicht wirklich was zu spüren, da es ab 18 Uhr wieder eisekalt wurde. Wir waren froh, dass wir unsere Schlafsäcke und eine normale Zudecke im Dachzelt nutzen konnten. Also gefroren haben wir dann nicht mehr.

 

 

Hutt River – genauer “Principality of Hutt River” – war unser Ziel für den nächsten Tag. Ein von der britischen Krone unabhängiges Land innerhalb Australiens und das einzige Land was bisher Australien den Krieg erklärt hat. Genauer gesagt ist es eine ca. 75 km² große Weizen- und Schaffarm mit einem etwas schrulligen “Regenten” und seiner Familie. Interessant waren all die Ausstellungsstücke die uns der 92-jährige zeigte, unter anderem ein Nummernschild aus Altenburg, eine sächsische Flagge, zahlreiche deutsche Ausweise und Reisepässe und einen Brief von der Queen. Wir ließen uns zur Feier unserer Einreise in Hutt River einen Stempel im Reisepass geben und übernachteten dann für 10 $ auf dem angrenzenden Campingplatz.

Am nächsten Tag konnten wir auch problemlos wieder ausreisen und unser nächstes Etappenziel stand auch schon fest: Kalbarri.