Karijini Nationalpark & Tom Price

Nach der ganzen Planscherei und Fahrerei brauchten wir dringend eine kurze Pause. Wir verließen also Exmouth in der Nacht nach einem Dinner am City Beach. “Nachts” bedeutet nach 18 Uhr, aber hier im Westen geht die Sonne auch schon 18.30 Uhr unter und die Dunkelheit setzt demnach sehr zeitig ein. Nachts zu fahren, birgt leider auch immer ein gewisses Risiko, da man jederzeit mit Kängurus, Schafen oder sogar Kühen rechnen muss, die unverhofft die Straße überqueren. Doch im Gegensatz zu Deutschland, haben wir hier eine “Roobar” und sehr helles Halogen/LED Licht am Auto. Außerdem versuchen wir es sonst meistens zu vermeiden in der Nacht zu fahren und nutzen diese Möglichkeit nur sehr selten. Allerdings ist es auch am Abend von den Temperaturen her angenehmer, als in der brütenden Hitze, an die wir uns nun endlich mal gewöhnen müssen/können.

Wir fuhren also rund 200 km und gelangten zu einer 24 h – Restarea. Diese war natürlich schon belagert, wie üblich, aber wir fanden noch ein Plätzchen zum Schlafen. Am nächsten Morgen parkten wir nur um und richteten uns häuslich ein. Es war dringend notwendig unseren “Mess” im Auto aufzuräumen. Wenn man nur im Auto unterwegs ist, schläft, frühstückt und alles wieder zusammenpackt und von A nach B nach C reist, dann wird eben manches einfach achtlos auf die sowieso schon volle Rücksitzbank gekracht. Dort tummeln sich nämlich unsere Klamotten, Waschzeug, Wasser- und Biervorräte, Hüte, Eimer, Seitenzelt und Reiseapotheke. Hinter der Rücksitzbank und in den Seitenräumen vom Kofferraum haben Notmatratze (für eine Nacht im Auto), Campingstühle, Schlafsäcke, Wanderschuhe, Wetsuits und Schnorchelausrüstung ihren Platz. Also manchmal wundern wir uns schon, dass wir uns überhaupt auf den Vordersitzen aufhalten können. Ihr merkt also, was unser armer Friedrich mit seinem 2,8 l Motor alles so quer durch Australien schleppen muss. Wir nutzten die freie Zeit also zum Aufräumen, zum Blogschreiben und natürlich relaxen.

 

 

Am Nachmittag des nächsten Tages gelangten wir schließlich nach Tom Price, eine Mienenstadt am Rande des Karijini NP. Und wieder stand das übliche auf dem Programm, einkaufen, Wasser auffüllen und duschen. Tom entdeckte auf WikiCamps noch einen nahegelegenen Berg, den man bis zum Gipfel befahren konnte (nur mit Allrad). Das war unser Stichwort und los ging es. Und so landeten wir schließlich auf dem Mt. Nameless. Von dort hatte man eine grandiose Aussicht auf das Pilbara Gebirge, die Miene und die Stadt. Der Sonnenuntergang setzte ein und alles war in rotes, nahezu violettes Licht getaucht. Die rostroten Felsen gaben ihr Zutun zu  diesem Schauspiel. Es war wunderschön.

Für den darauffolgenden Tag hatte sich Reiseleiter Tom etwas ganz spezielles ausgedacht: einen 9 km- Marsch auf den Mt. Bruce, zweithöchster Berg Westaustraliens. Das Wetter zeigte sich verhältnismäßig kühl bei vorhergesagten 25°C. Und so stapften wir gegen 11 Uhr los. Der Wanderweg war (mal wieder) Stufe 5, für erfahrene (Busch-)Wanderer und Kletterkünstler. Und das merkten wir auch zeitnah. Wir legten einige Pausen ein und kämpften uns dem Gipfel in gemächlichem Tempo entgegen. Insgesamt überwanden wir nur rund 400 Höhenmeter, es fühlte sich aber an als hätten wir den Mt. Everest bestiegen. Aber jeder Berg entschädigt dich auf dem Gipfel mit einer wundervollen Aussicht, das war auch in diesem Falle so.

Für die gesamte Strecke brauchten wir (nur) 4,5 Stunden, allerdings waren wir anschließend auch nicht mehr zu irgendetwas anderem fähig. Auf einem Buschcamp nahe des nächsten Zieles, richteten wir unser Nachtlager ein.

 

In den nächsten 3 Tagen besichtigten wir nahezu den kompletten Nationalpark. Unser Touriprogramm gestaltete sich wie folgt:

1. Tag:

Hamersley Gorge, kühl und erfrischend bei einem Sprung ins Wasser,

Zelten auf dem Campingplatz des Karijini Eco Retreat,

2. Tag:

Oxers Lookout, mit einem eindrucksvollen Ausblick über die Vereinigung der 4 Gorges,

Weano Gorge, mit einem schönen Wanderweg entlang des Flussbettes auf der einen Seite und einer Klammwanderung teilweise durch Wasser und über glitschige Felsen in die andere Richtung bis zum Handrail Pool,

Hancock Gorge, abenteuerlich bei einer Klammwanderung über den rutschigen Spiderwalk bis zum Kermits Pool,

Joffre Gorge / Joffre Falls, mit einer Kletterpartie über die steilen Felsen hinab zum Becken,

Knox Gorge, beeindruckend mit einem steilen Abstieg und Wanderung bis die Schlucht zu eng wird,

Kalamina Gorge, mit einem kleinen Wasserbecken und Wasserfall,

3. Tag:

Dales Gorge, mit einem Wanderweg entlang des Abhanges, Abstieg zu den Fortescue Falls und einem erfirschenden Bad im wunderschönen Fern Pool und Wanderung stromabwärts zum eiskalten Circular Pool.

Am Nachmittag des 3. Tages verabschiedeten wir uns aus diesem wundervollen und sehenswerten Nationalpark und bekamen als Geschenk einen platten Reifen, den wir dann auf dem Highway wechseln durften.

Den nächsten Zwischenstopp planten wir dann, in Port Hedland vorzunehmen, um dort unseren Reiseproviant wieder aufzustocken und uns fit zu machen für die Weiterfahrt nach Broome. Ein kleines Highlight für uns ereilte uns dann auf dem Rastplatz, als uns dort ein imposanter Bulle besuchte. In der Gegend gibt es nämlich riesige Cattlefarmen. Die Kühe rennen frei herum und werden dann irgendwann per Helikopter, Quad, Motorrad und manchmal sogar noch mit Hilfe von Pferden eingefangen – dieser Vorgang nennt sich Mustering.

 

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Korallen, Klippen und Kilometer

Auf dem weiteren Weg nach Norden, kamen wir zunächst durch Carnarvon. Diese Stadt wird im Reiseführer als “netter Zwischenstopp” mit tropisch wirkendem Geschäftsviertel und zum Spazieren einladendem Ufer beschrieben. Also, ganz ehrlich, viel spürten wir davon nicht. Wir hielten also nur an, um einkaufen zu gehen, Wasser aufzufüllen und Friedrich ein bisschen einzuseifen. Mehr gab Carnarvon dann nicht für uns her. Für Backpacker, die Arbeit suchen, soll es aber wohl zur richtigen Jahreszeit in Carnarvon viele Möglichkeiten geben. Denn hier wird reichlich Obst, Gemüse und Wein angebaut. Aber zum Glück haben wir erstmal Zeit für Urlaub.

Weiter ging die Reise….

Wir landeten am nächsten Tag schließlich in dem total überfüllten Coral Bay. Dort beschlossen wir, gleich mal ins Wasser zu springen und unsere noch ungenutzten Schnorchel auszuprobieren. Die Eindrücke waren nicht so bunt wie erwartet dennoch gab es ein paar sehr interessante Dinge, vor allem Fische, zu sehen. Anschließend lungerten wir noch den ganzen Nachmittag am Strand herum, und genossen das fröhliche Nichtstun.

Gegen Abend fuhren wir dann zum nächstgelegenen Free-Camp. Dies war 50 km nördlich von Coral Bay und 50 km südlich von Exmouth gelegen. Wir teilten es mit 1000 anderen Backpackern und ein paar Leuten in ihren Blechcontainern.

Am nächsten Morgen brachen wir in aller Herrgottsfrühe auf, um nicht die letzten im Nationalpark zu sein. Zu dieser Jahreszeit ist der Ningaloo Marine Park Nationalpark heillos überfüllt. Es herrscht Hochsaison für diese Region. DAS hatten wir allerdings vorher nicht bedacht. So hatten wir lediglich die Möglichkeit nach jedem Besuch im Nationalpark zu dem bereits erwähnten Parkplatz zurückzukehren. Andere Campingplätze gab es einfach im Moment nicht. Und wenn man beim Wildcampen erwischt werden würde, droht einem eine Strafe von mindestens 200 $.

In der Region selber sind es in erster Linie natürlich die Strände mit vorgelagerten Riffs, welche die ganzen Touristen anlocken. In Prospekten und Reiseführern bekommt man immer die Empfehlung die Strände “Oyster Stacks”, „Turquoise Bay’’” oder “Lake Side” zu besuchen, da diese schnorchelmäßig erfolgsversprechend sind. Wir klapperten auch alle diese Strände ab. Am meisten empfehlen können wir “Turquoise Bay”, bei dem man sich mit der Strömung entlang des Riffs treiben lassen kann und eine bunte Vielfalt von Fischen und Korallen sieht. Ein weiteres Highlight ist Sandy Bay, ein langgezogener weißer Sandstrand mit türkisblauem Wasser.

Aber das ist nicht alles was die Umgebung zu bieten hat. Wenn man genug hat vom Wasser in den Ohren, kann man im nebenan befindlichen Cape Range Nationalpark auch ein paar kleine aber feine Wanderungen unternehmen.  Dort hat man dann malerische Aussichten auf Berge und die dazwischen liegenden steil abfallenden Schluchten (Gorges) bis hin zum Meer.

Der Ort Exmouth ist sehr touristisch und bietet außer dem Shoppingcenter und kostenlosen Duschen nicht sonderlich viel für Backpacker. Von hier aus kann man zwar auch diverse Schnorchel- und Tauchtouren buchen, aber das spielte für uns erst einmal keine Rolle.

Weil es so viel zu sehen gab, verbrachten wir letztendlich 2 Tage im Nationalpark und nahmen dafür eben das Hin- und Hergefahre zum außerhalb gelegenen Rastplatz in Kauf.