Geduldsprobe Gibb River Road (Teil 1)

Die Gibb River Road zu befahren, ist Toms Traum gewesen, seit dem wir uns mit dem Thema Australien beschäftigt haben. Wegen dieser und natürlich aller anderen 4WD-Strecken, haben wir uns ja auch unseren “Panzer” zugelegt. Und so haben wir quasi im letzten Monat darauf hingearbeitet, diese Outbackpiste in der Kimberley zu befahren.

Fakten vorweg:

  • Lage:

Kimberley, WA, zwischen Derby und Kununurra

  • Geschichte:

1960 als Beef Road angelegt um Schlachtvieh von entlegenen Farmen der Kimberleyregion nach Derby zu transportieren, die namensgebende Gibb River Station liegt ungefähr in der Mitte der Strecke

  • Straßenbeschaffenheit

steinig, sandig, schottrig, Schlaglöcher, Flussdurchquerungen, typisch ist Ausbildung von Corrugations (Waschbrettpiste), Teilabschnitte sind asphaltiert (Steigungen, und Anfang und Ende der Strecke)

Mai-Okt (Trockenzeit) größtenteils befahrbar mit 2WD

Nov-Apr (Regenzeit) zeitweise überflutet und gesperrt

Länge:

die reine Gibb ist rund 660 km lang

  • Alternativen:

Great Northern Highway, bedeutet aber ca. 400 km Umweg

  • Hauptattraktionen entlang der Strecke:

Windjana Gorge (erreichbar mit 2WD)

(Tunnel Creek)

Lennard River Gorge (erreichbar mit 4WD)

Bell Greek Gorge (erreichbar mit 4WD)

Galvans Gorge (erreichbar mit 4WD)

Manning River Gorge (erreichbar mit 2WD)

Barnett River Gorge (erreichbar mit 4WD)

Emma Gorge (erreichbar mit 2WD)

(El Questro Wilderness Park)

 

Unsere Story:

Nachdem wir uns in Broome mit Vorräten eingedeckt und uns seelisch und moralisch vorbereitet hatten, war es endlich soweit. Wir beschritten bzw. befuhren den Weg zur Gibb River Road. Dabei kamen wir zunächst durch Derby, welches als westlicher Zugangspunkt zu der ehemaligen Beef Road bekannt ist. Von dort aus startete unser Abenteuer. Wir meldeten uns schnell noch via WhatsApp bei unseren Familien und Freunden ab, denn eines war klar: für den kommenden Zeitraum von rund 2 Wochen würden wir keinerlei Mobilfunkempfang, geschweige denn Internetempfang, haben. Und dann stürzten wir uns in das Vergnügen. Gleich am Eingang schossen wir ein Foto vom Straßenschild “Gibb River Road”. In den entsprechenden Kreisen ist dieses Foto sehr bekannt und ein absolutes Muss, man will ja am Ende schließlich auch einen kleinen Nachweis über die erbrachte Leistung haben. Leider steht, das nehmen wir hier mal vorweg, nämlich niemand am anderen Ende der Straße, um einem die Hand zu schütteln und zu gratulieren. Wir finden, das wäre mal eine Investition wert. Die Australier haben ja sowieso einen kleinen Faible für “sinnlose” Jobs: wir sagen nur, anstelle von Ampeln setzen sie an Baustellen Leute ein, die “Stop” an “Slow”-Schilder hochhalten und drehen. Was die verdienen, lassen wir mal ganz außen vor. Also warum nicht ein paar Gratulanten an beiden Enden der Gibb??? Zwinkerndes Smiley

Aber lassen wir das Geplauder. Zurück zum Wesentlichen: Die Gibb River startete eher unspektakulär asphaltiert. Ca. 80 km ging es relativ unaufgeregt durch noch unaufgeregtere Landschaft. Boab-Bäume, Eukalyptusbäume und Spinifexgras, dazwischen schon mal die ein oder andere Rinderherde (die Rinder mit dem riesigen Buckel), mehr gab es erst mal nicht zu sehen. Das sich dies im wesentlichen auch nicht ändern wird, ahnten wir ebenfalls. Dann wurde die Piste plötzlich schottrig und sandig. Das war für uns das Zeichen, den Reifendruck auf ca. 28 psi abzulassen. Was sich dann der Erbauer der Straße allerdings dabei gedacht hat, nach wenigen Kilometern wieder ein Stück Straße zu asphaltieren, ist uns nicht ganz klar gewesen. Dort hatten wir nur ein bisschen Sorge um unsere Reifen. Aber sei’s drum.

Der Handyempfang hatte sich bereits nach ca. 40 km verbschiedet. Wir waren also sehr froh, dass wir uns frühzeitig bei unseren Lieben abgemeldet hatten.

Nach 119 km kommt der erste und einzige Abzweig in südliche Richtung zum Great Northern Hwy. Dies ist gleichzeitig die Zufahrtsstraße zur Windjana Gorge und zum Tunnel Greek in einem der insgesamt drei Devonian Reef Nationalparks. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um ein Riff, genauer gesagt eine Art westliches Great Barrier Reef. Wenn man der Straße folgt, sieht man irgendwann in dem ansonsten sehr flachen Gelände eine steile Felsformationen aufragen. Wir waren zunächst etwas verwundert, was das darstellt. Wir bezogen Quartier auf dem Nationalparkcampingplatz und wanderten dann am späten Nachmittag zur Windjana Gorge, deren Zugang nur ca. 100 m entfernt lag. Auf den angebrachten Tafeln erlangten wir dann endlich Gewissheit, dass es sich bei der Felswand um ein 350 Millionen Jahre altes Riff handelt. Davon waren wir ziemlich beeindruckt, noch mehr beeindrucken ließen wir uns dann allerdings von den nächsten Hinweisschildern, die vor Krokodilen in der Gorge warnten. Ok, es handelte sich hierbei “ nur” um Freshies, aber ganz ehrlich, Croc ist Croc, oder? Gespannt marschierten wir also los und versuchten gleich im Fluss ein paar Exemplare zu erspähen. Aber so schnell geht das dann doch nicht. Also nur die Ruhe und weiterlaufen. Der Wanderweg schlängelte sich zwischen den Felsen und einem Wasserlauf entlang bis wir zu einer riesigen Sand bzw. Kiesbank gelangten. Durch eine Gruppe Adventuretourbustouristen wurden wir dann auch schon auf ein am Ufer liegendes Croc aufmerksam gemacht. Und das war es, unser erstes freilebendes Freshie!! Im Wasser waren noch ein paar mehr unterwegs, aber wir waren so glücklich eines entspannt im Sand liegend gesehen zu haben.

Nach und nach setzte dann auch schon der Sonnenuntergang ein und färbte die Felsen in ein knalliges Rot. Das war unser Zeichen, langsam zum Campingplatz zurückzukehren. Dunkel wurde es nämlich wie gehabt gegen ca. 18 Uhr.

Den nächsten Vormittag verbrachten wir im Tunnel Creek. Dort erzählte uns bereits am Eingang ein netter Herr, dass er ungefähr 10 Freshies gesehen hätte. Wir grinsten. Aber im nächsten Moment verging uns das und uns wurde doch etwas mulmig zumute. Wenn man in den Tunnel Creek hinein will, muss man schon erste Kletterkünste unter Beweis stellen. Dann landet man in einer riesigen Höhle und der Weg führt direkt ins Dunkle hinein. Wir mussten, um auf die andere Seite des Berges zu gelangen, durch gruselige Finsternis laufen, durch teilweise knie- bzw. schenkeltiefes Wasser waten, sahen, wenn wir mit unseren Kopflampen leuchteten, die gelben Augen der Krokodile, die an den Felswänden saßen oder auch im Wasser schwammen, aufblitzen, erspähten zahlreiche Fledermäuse an der Decke hängend, sahen Tropfsteine und hofften immer wieder, dass wir nicht aus Versehen auf ein Krokodil treten. Es war also eine aufregende Sache und wir freuten uns schon auf den Rückweg. Am Ende des Tunnels wartete aber erst Mal ein kleiner Tümpel in tropischer Atmosphäre auf uns, in dem wir ein paar Fische beobachten konnten. Wir ruhten uns kurz aus und machten uns dann auf den Rückweg durch den geheimnisvollen Tunnel.

Letztendlich haben wir 4 oder 5 Crocs gesehen, wir stellten uns nur die Frage, wo waren die restlichen 5???? Nein Spass beiseite, die Freshies sind im Vergleich zu den großen Salzwasserkrokodilen friedliche und schützenswerte Zeitgenossen, so lange man sie auch in Ruhe lässt. Ansonsten können sie ebenfalls arg bissig reagieren und man kann schonmal eine Hand oder einen Fuß einbüßen.

Wenn man von der Hitze des Nordens genug hat und ein bisschen abenteuerlustig ist, dann ist der Gang durch den Tunnel Creek absolut empfehlenswert. Auch die Windjana Gorge ist beeindruckend und der nahegelegene Campingplatz bietet für 15 $ sogar Duschen, Toiletten (mit Wasserspülung!) und Trinkwasser!

 

Gleicher Luxus erwartete uns dann am Abend auf dem Campground Silent Grove. Auf dem Weg dahin mussten wir durch einige kleine Flüsschen und ein ziemliches Matschloch fahren. Diese Strecke ist also keinesfalls für normale PKW gedacht. Selbst wir hatten Pech und büßten letztendlich einen Reifen und eine Felge ein. Das lag allerdings nicht an den Wasserdurchfahrten sondern an einem der großen Bruchsteine, die immer am Wegrand und teilweise auch auf der Straße liegen. Wenn man da mal einen blöd erwischt, dann war es das mit dem Reifen.

Nicht mehr so happy rollten wir dann zum Campground, bezahlten und richteten uns häuslich ein. Doch lange hielt die schlechte Laune nicht an, mit einem kühlen Bier lässt man sich ja immer gern besänftigen.

Zur Bell Gorge fuhren wir dann erst früh am nächsten Morgen, und wir waren tatsächlich fast die Ersten an diesem Tag. Nach einer kurzen Wanderung über Felsen und Bäche kamen wir oberhalb von den Wasserfällen raus und konnten einen tollen Ausblick genießen. Dann kletterten wir steil die Felsen hinab, um zu dem großen Pool zu gelangen und Tom sprang auch gleich ins kühle Nass. 

Unseren nächsten Stopp machten wir dann an der nicht weit entfernten Adcock Gorge. Der Weg dorthin bestand eigentlich nur aus Löchern und so ließen wir das Auto irgendwann stehen und liefen die restlichen Meter. Leider war der Wasserfall ausgetrocknet und zum Schwimmen war das Wasserloch auch nicht geeignet, aber es sah sehr idyllisch aus und wir konnten auch Felsmalereien bewundern.

Den nächsten Halt machten wir dann beim einzigen Reifenhändler auf der Gibb dem Over The Range Tyre & Mechanical Repairs. Wir erstanden einen neuen Reifen mit gebrauchter Felge für sage und schreibe 430 $.

Neu ausgestattet und motiviert ging es dann gleich weiter zur nächsten Gorge, der Galvans Gorge, mit Wasserfall und Schwimmloch. Dort drehten wir ein paar Runden im Wasser und sahen auch noch eine große Echse auf einem Stein in der Sonne relaxen.

Unser Nachtlager schlugen wir auf dem Manning Gorge Campground auf, welcher vom Barnett River Roadhouse verwaltet wird. Dort bezahlten wir ca. 25 $ für den Campground und Eintritt zur Schlucht.

Am nächsten Morgen wanderten wir die 3 km bis zur Manning Gorge, und wieder einmal stellten wir fest, dass Gorge nicht gleich Gorge ist. Manchmal siehst du eben nur Wasser was von oben nach unten fällt und manchmal kommst du aus dem Staunen und Schwärmen nicht raus, da haut dich so ein Wasserfall eben komplett um und du denkst du hast das Paradies gefunden. Die Manning Gorge ist, sagen wir mal, ganz ok, aber es gibt eben noch viel Schönere.

Wir verbrachten den halben Vormittag und den frühen Nachmittag mit wandern und relaxen. Dann packten wir zusammen und brachen auf. Ein  furchtbar huckeliger Weg führte uns dann noch zur Barnett River Gorge, welche wir aber nur vom Lookout aus betrachteten. Trotzdem ein nicht zu verachtender An- und Ausblick.

Den Abend ließen wir dann auf dem Hann River Freecamp ausklingen, auf dem wir ganz alleine waren, nur umgeben von einer Herde Rindviehcher.

 

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