Belastungsprobe: 280 km in 7 Stunden (Gibb River Rd Teil 2)

Nach einer ruhigen Nacht am Hann River begaben wir uns am nächsten Tag wieder auf die staubige Piste. Der Staub ist sowieso eine Sache für sich. Den hat man nicht nur an den Füßen und Beinen kleben, wenn man den ganzen Tag in FlipFlops (australisch: Thongs) rumläuft, nein, der setzt sich eigentlich überall fest. Und mit überall meinen wir auch überall. Der Staub kriecht in jeden Winkel am Körper, die Nase und in die Haare und macht auch vor dem Auto nicht Halt. Fußräume, Sitze, Kofferraum, usw., also eigentlich waren unsere ganzen Schubfächer mit den Essensvorräten voll damit. Wahrscheinlich fiel auch statt Pfeffer Staub aus dem Pfefferstreuer aufs Frühstücksei. Wenn wir mit offenen Fenstern fuhren und ein Auto entgegenkam, kurbelten wir zwar immer wie auf Kommando gleichzeitig die Scheiben wieder hoch, weil ja der Gegenverkehr eine entsprechende Dreckwolke mit sich zog, aber der Staub landete eben trotzdem im Innenraum.

Wie auch immer, jedenfalls ging es noch ein paar Tage so weiter. Den nächsten Stopp machten wir an der von Aborigines geleiteten Gibb River Station. Dort tankten wir auf (für den Gibb-üblichen Preis von 2,05 $/l) und versuchten ein paar Informationen über die weiter im Norden gelegenen Mitchell Falls herauszubekommen. Der dortige Ranger war sehr nett und so unterhielten wir uns mit ihm und einer weiteren Besucherin eine Weile. Die Station befindet sich noch im Aufbau und hat neben einem kleinen Shop, und der Tankstelle auch einen Campingplatz zu bieten. Irgendwo im Internet haben wir gelesen, dass Besucher nicht willkommen seien auf der Station, das können wir aber so auf keinen Fall bestätigen. Jedenfalls schickte uns der nette Herr weiter nördlich nach Drysdale , weil er keine Informationen weiter für uns hatte und so folgten wir der Gibb weitere 60 km und landeten auf der Drysdale Sation. Hier allerdings verkaufte man nur Flüge zu den Mitchell Falls für horrende Preise, aber das waren wir nicht bereit auszugeben. Und so gönnten wir uns noch einen leckeren Burger zum Lunch und berieten uns, über die weitere Reiseroute. Lustigerweise traf dann eine australische Familie mit einem Nissan Patrol und Offroadcamptrailer (Klappfix) ein, die wir schon auf den vorrangegangenen Zeltplätzen immer mal wieder getroffen und auch angesprochen hatten. Wir tauschten uns also erst mal über den miserablen Zustand der Straße auf den letzten 60 km aus und dann erfuhren wir, dass auch diese Familie vorhatte, die Mitchell Falls aufzusuchen. Der Haken an der Sache war der, dass uns jeder erzählt hatte, dass die Strecke zu den Wasserfällen in einem echt desolaten Zustand wäre und man Stunden für ein paar Hundertkilometer brauche. Dies war auch bei Wikicamps genau so nachzulesen und wir hatten eigentlich nicht so richtig Lust uns und das Auto knapp 300 km durchrütteln zu lassen. Aber nun hatten wir ja eine kleine Herausforderung. Wenn die Aussie-Familie diesen Weg sogar MIT Trailer antreten wollte, dann sollte das doch für uns eine Leichtigkeit sein. Gesagt getan und los ging es. Wir müssen wirklich sagen, keiner von unseren “Ratgebern” hatte gelogen, die Straße war einfach furchtbar. So furchtbar, dass wir sogar auf den ersten 180 km das Endstück vom Auspuff verloren haben, aber der schlimmste Teil sollte ja erst noch kommen. An diesem Nachmittag fuhren wir also nur die knapp 180 km bis zum King Edward River Campground und machten dort eine Verschnaufpause mit Übernachten. Zur Abkühlung sprangen wir auch gleich in den Fluss (in dem Freshies leben) und genossen die friedliche Atmosphäre und das Gefühl mitten im Nirgendwo und sehr weit weg von allem zu sein (ein Gefühl, dass einem auch gleichzeitig ein bisschen Angst machen kann).

Am nächsten Tag traten wir dann, nach einem Spaziergang entlang des Flusses, hochmotiviert die letzte Etappe von etwa 80 km zu den Mitchell Falls, also besser gesagt zu dem dortigen Campground, an. Das Hochgefühl löste sich aber nach wenigen Minuten schon in Wohlgefallen auf, denn, sagen wir mal so, wir kamen einfach kaum voran. Die Stecke glich eher einer Berg und Talfahrt auf Straßenniveau, denn die Corrugations waren tief wie der Mariannengraben. Wir fuhren also zeitweise im Schritttempo und trotzdem schüttelte es uns so dermaßen durch, dass wir beide schon Kopfschmerzen verspürten. Außerdem klapperte das Auto an allen Ecken, man kann es sich wirklich kaum vorstellen. Nach einer Stunde hatten wir gerade mal 20 km geschafft und wir waren beide ein bisschen verzweifelt. Aber es nütze nichts, wir wollten ja schließlich die hochgelobten Wasserfälle sehen. Dreieinhalb Stunden hatte es schließlich gedauert, dann rollten wir ,völlig fertig mit der Welt, am frühen Nachmittag auf dem Campingplatz ein und es herrschte drückende Hitze. Wir wussten nicht wirklich wohin mit uns und so versuchten wir einfach, uns ein schattiges Plätzchen mit Hilfe unserer Markise zu schaffen und den Tag zu überstehen. Gegen Abend wanderten wir dann noch einen Kilometer zu den Little Mertens Falls und fanden ein erfrischendes Schwimmloch vor, in dem wir ausgiebig plantschten. Wir ärgerten uns, dass wir nicht gleich nach unserer Ankunft auf dem Campingplatz hier her gegangen sind, dann hätten wir nicht so schwitzen müssen. Aber dafür waren wir nach dem kühlen Bad umso entspannter und wir freuten uns schon auf den nächsten Tag und die uns bevorstehende Wanderung.

Den Wecker stellten wir uns auf 5 Uhr, denn wir wollten die kühlen Morgenstunden nutzen, um den ersten Teil der Wanderung hinter uns zu bringen. Und so stiefelten wir kurz vor 07:00 Uhr los. Wir waren auch so ziemlich allein, nur 2 Vogelbeobachter kreuzten unseren Weg. Überall am Wegesrand raschelte es und huschten kleine Tiere im Laub umher, leider viel zu schnell, als dass wir etwas hätten entdecken können. Aber dann sahen wir zwischen 2 Felsen ein Rock-Wallaby, vermutlich ein “Monjon” oder auch “Burbridge’s Rock Weasel”, blieben stehen und versuchten schnell ein paar Fotos zu schießen. Auch ein Merten’s Water Monitor (Mertens-Wasserwaran) begegnete uns dann unterhalb von einem Felsen mit indigener Felsenmalerei.

Wenig später erreichten wir auch schon die Big Mertens Falls. Wasser floss dort leider am Ende der Trockenzeit nicht mehr, aber der Ausblick war atemberaubend. Wir ließen die Landschaft eine Weile auf uns wirken und versuchten am Rand der Schlucht ein paar nette Fotos zu schießen. Von dort war es dann auch gar nicht mehr weit bis zum eigentlichen Ziel, den Mitchell Falls. Der Weg führt direkt oberhalb der Fälle entlang, zu der Stelle wo sie sich dann in Stufen in die Tiefe stürzen. Von hier aus ahnt man gar nicht, WIE beeindruckend sie wirklich sind. Um den Ausblick auf die Wasserfälle zu ergattern, muss man noch ein Stück weiter laufen, einen Weg der nicht ausgeschildert ist und den wir hier auch erst mal nicht verraten wollen. Aber von diesem inoffiziellen Aussichtspunkt versteckt zwischen ein paar Felsbrocken, hat man wohl die aller beste Sicht, abgesehen von der aus einem Helikopter herauus. Jedenfalls verbrachten wir an diesem Punkt bestimmt 20 Minuten, um die Fälle in ihrer ganzen Schönheit auf uns wirken zu lassen. Wir waren einfach nur still und schauten. Das wahre Ausmaß der Wassermassen in der Regenzeit konnten wir allerdings nur erahnen. Und so gesellte sich in diesem Moment ein weiteres Vorhaben auf unsere Bucketlist, für das wir auch gerne bereit sind, mehrere hundert Euro zu bezahlen, denn die Flüge sind ja, wiegesagt, richtig teuer. Wir müssen an dieser Stelle auch mal sagen, dass man auf solchen Reisen das Land eben auch erst einmal kennenlernen und einzuschätzen lernen muss. Viele Dinge kann man vorher gar nicht so planen, weil man dann im Zickzack und kreuz und quer fahren müsste. Und so kam es eben, dass wir nicht vorher wussten, dass es doch am eindrucksvollsten sein muss, die Kimberley mal in oder kurz nach Ende der Regenzeit zu überfliegen. Durchzufahren ist aber eben eine ganz andere Geschichte und am sichersten, mitten in oder am Ende der Trockenzeit. Aber man muss ja noch Träume haben.

Nachdem wir den Anblick genossen haben, waren wir reif für eine Abkühlung, denn die Mittagshitze brach über uns herein. Oberhalb der Fälle gibt es einige Pools in denen man schwimmen kann, und das taten wir dann auch. Bald darauf entschlossen wir uns, den Rückweg anzutreten, denn nun kamen die ganzen Bustouristen so langsam angekraxelt und auf Massenabfertigung hatten wir so gar keinen Bock. Also tschüss Mitchell Falls und vielleicht bis bald!

Die Hitze auf dem Rückweg war fast nicht auszuhalten, aber wir hatten ja keine Wahl. Und weil es einmal “fast” am Weg lag, liefen wir auch noch 3 km extra zu einem Lookout, von wo aus man die Schluchten aus einiger Entfernung sehen konnte. Es war ok, aber wahrscheinlich beeindruckender im Sonnenuntergang. Danach kehrten wir noch einmal zu den Little Mertens Falls zurück und stürzten uns dann abgekämpft in die Fluten.

Alles in allem liefen wir an diesem Tag rund 13 km, klingt vielleicht nicht viel, aber bei diesen Temperaturen war es genug!

Am nächsten Tag war es wieder soweit, die Rumpelpiste wartete auf uns. Darauf hatten wir zwar echt wenig Lust, nur half es nix. Unterwegs machten wir diesmal aber noch an ein paar Rock-Art-Plätzen halt und bestaunten Jahrtausende alte Aborigines -Felsmalereien.

Gegen Abend kamen wir dann endlich an der Ellenbrae Station an, einer kleinen schnuckeligen, liebevoll hergerichteten und gepflegten Farm. Der Campingplatz war nahezu leer und uns stand eine sehr ruhige Nacht bevor. Am nächsten Morgen holten wir uns noch frischgebackene Scones mit Schlagsahne und Marmelade in der Küche der Farmer ab und plauderten noch kurz über das Cattlebusiness.

Der 9. Tag unserer Reise auf der Gibb führte uns lediglich zum nächsten Campground mit Internetempfang. Dort verbrachten wir den Nachmittag und die Nacht, mit Blick auf die Cockburn-Ranges. Es war wahrscheinlich die längste Offline-Zeit in unserem bisherigen Australienaufenthalt, aber wir haben es auch genossen. Keine Horrormeldungen, keine Wahlkampfdebatten, keine Nachrichten und keinen Zwang, das war schlichtweg entspannend.

Upgedatet und gut informiert wartete schon das nächste Abenteuer auf uns, das Pentecost Rivercrossing. Die Durchquerung des unter dem Gezeiteneinfluss stehenden Flusses ist nicht ganz ohne, denn Leistenkrokodile (Salties) lauern in der Nähe. Mit einem 4WD ist man eigentlich auf der sicheren Seite, wenn man ein ganz normales Auto hat, muss man aber schon mal einige Stunden auf Ebbe warten, wie eine Bullifahrerin, die wir dort getroffen hatten.

Wenig später bogen wir auch schon zum El Questro Wilderness Park ab, eine 2833 km² große Anlage, die einiges zu bieten hat. Der Weg dahin ist schon ein kleines Erlebnis, denn die ca. 16 km lange, ungeteerte Straße ist äußerst holprig und man hat zudem einige kleine und größere Flüsse zu durchqueren. Wenn man die Station dann erreicht, wird man fast erschlagen, eine riesige Anlage mit Campingplatz, Shop, Bar, Restaurant, 5-Sterne Hotel, Hubschrauberlandeplatz und so weiter und so fort. Wenn man sich dann die Preise anschaut, kriegt man gleich den nächsten Dämpfer. Wir buchten also eine Nacht auf dem Campingplatz für 20$/Person. Auch wenn die nette Dame an der Rezeption verzweifelt versuchte uns noch 3 weitere Nächte zu verkaufen, blieben wir bei der einen. Dazu kam der Tagespass für den Zugang zu den Gorges für 12$/Person. Mann kann in dem Resort gut und gerne 1 Woche Urlaub machen, dann bekommt man auch Rabatte oder eine Wochenpermit für einen guten Preis, aber für uns kam das aufgrund des Zeitmangels nicht in Frage und es war auch keine schlechte Entscheidung. Nachdem wir bezahlt hatten, machten wir uns, da es noch früh am Vormittag war, gleich auf den Weg zur Moonshine Gorge, ein kleiner idyllischer Pool umgeben von Palmen und roten Felsen. Wir ließen es uns nicht nehmen, und kühlten uns gleich schwimmenderweise ab. Eine 80 cm tiefe Flussdurchquerung war nicht das einzige Risiko auf der Strecke, es war mal wieder eine huckelige und buckelige Piste die sich unser Eisenschwein entlang kämpfen musste. Wenn man das umgehen möchte, kann man die guided Tours mit dem Hauseigenen Ranger verkaufen möchte und vielleicht darauf spekuliert, dass die meisten Besucher ihr eigenes Auto schonen möchten. Das ist nur eine Vermutung und wir können allen Interessierten und Sparfüchsen mit auf den Weg geben, dass die meisten Straßen machbar sind, wenn man nicht  zu schnell fährt und ein bisschen Acht gibt. Also nur Mut!

Als nächstes hatten wir eine Wanderung in der El Questro Gorge geplant. Auf dem Carpark trafen wir überraschenderweise wieder auf unsere Aussie-Familie aus Melbourne, die die Reise zu den Mitchell Falls offenbar heil überstanden hatte.

Der Wanderweg durch die Gorge ist schattig und kühl, da er unter Palmen und Farnen entlang führt und die Sonne die meiste Zeit durch die Felswände verdeckt wird. Es geht stetig bergauf und man hat einige dicke Felsbrocken zu überqueren und muss auch durch ein Wasserloch schwimmen, um weiter zu kommen. Wir haben ca. 2,5 Stunden gebraucht, bis wir am oberen Ende zu einem kristallklaren Pool mit Wasserfall gelangten. Eine willkommene Erfrischung nach dieser sehr anstrengenden Wanderung.

Am Abend, genauer gesagt noch vor 16 Uhr, erklommen wir den sehr steilen Track zum Pigeon-Lookout. In der Hoffnung von dort oben die im Fluss lebenden Krokodile sehen zu können, machten wir es uns bei Pasta und Bier auf einer Bank bequem. Wir hatten Glück, denn nach uns trudelten noch allerlei Besucher ein, aber wir hatten den besten Spot erwischt. Wir blieben 2 Stunden, um den Sonnenuntergang in aller Pracht und Schönheit zu bestaunen. Krokodile haben wir allerdings nicht sehen können.

Eine ganz andere Art der Abkühlung verschafften wir uns früh am nächsten Morgen in den Zebedee Springs. Das sind bis zu 32°C warme und im Schatten einer Palmenoase verborgene Quellen. Ein wirklich zauberhafter Platz.

Nachdem wir die Springs verlassen hatten, war es immer noch Vormittag und so wagten wir den Marsch zur Emma Gorge. Der war eigentlich nicht wirklich weit, aber in der Hitze der Tropen, kann manchmal jeder Meter zu viel sein. Die Gorge beeindruckte durch den ca. 70 m hohen Wasserfall und das eisige, klare Wasser. Es war ein schattiger Platz, der es auch einer ca. 1 m langen, hellbraunen Schlange sehr angetan hatte und die sich nun, völlig unbeeindruckt von einer Schar Touristen, über Felsbrocken und Baumstämme schlängelte.

Wir hielten uns natürlich auf Abstand, aber ein paar Fotos konnten wir doch schießen.

Mit dem Besuch der Emma Gorge endete auch unsere Zeit auf der Gibb. Wir pumpten unsere Reifen wieder auf und fuhren zur Kreuzung Great Northern Highway und schossen das Abschlussfoto. Wie bereits gesagt, war weit und breit kein Gratulant zu sehen. Aber wir trugen ja die Beweise für das Befahren der Gibb auf unserem Autodach: den abgefallenen Auspuff und das sehr teure Ersatzrad.

 

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um uns bei allen Besuchern und treuen Followern des Blogs für das Lesen unserer Blogbeiträge zu bedanken. Über Feedback, Anregungen und Wünsche zum Blog freuen wir uns jederzeit. Scheut euch also bitte nicht, die Kommentarfunktion zu nutzen, auch um eure Fragen loszuwerden.  Eure “Aussies” Tom & Jojo

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2 Kommentare zu „Belastungsprobe: 280 km in 7 Stunden (Gibb River Rd Teil 2)“

  1. Hallo Tom und Johanna schön das es euch gut geht 👍 Lese immer mit großer Begeisterung eure Beiträge. Toll wie ihr das macht.Es ist einfach athemberaubend zu lesen.Ansonsten viel Spaß euch noch und noch schöne Erlebnisse.Liebe Grüße aus Dresden Bettina

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