Im Süden Sri Lankas

Nach 2 Tagen in Udawalawe und den Strapazen der ersten Woche wollten wir nun zum entspannten Teil übergehen. Unser Weg führte dazu in den Süden der Insel. Mit dem Bus gelangten wir ins beschauliche Tangalle.

Hier fanden wir einen wunderschönen langgezogenen Strand vor und wenige Touristen. Unsere Herberge war einfach aber schön und die Besitzer sehr sehr freundlich. Als Begrüßungsdrink gab es eine Kokosnuss.

Wir wanderten anschließend am Strand entlang und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Kurz ins Wasser gesprungen sind wir auch. Zum Mittag kehrten wie in ein Strandrestaurant ein. Wir warteten eine ganze Weile auf unser Curry und die Bratnudeln, beides wurde frisch zubereitet und war zum reinlegen gut. Am Abend gönnten wir uns ein paar Cocktails und Bier und genossen die Beachatmosphäre.

Am nächsten Tag mussten wir uns schon wieder verabschieden. Vorher gab es aber noch ein megaleckeres Frühstück. Eine Art Pfannkuchen bestrichen wir mit Kokosnusshonig und legten Bananenscheiben obendrauf. Himmlisch. Als herzhafte Variante gab es einen Mix aus gebratenen Zwiebeln, Tomaten und Chili. Absolut liebevoll zubereitet und ein wahrer Genuss.

Mit dem Bus fuhren wir gegen Mittag nach Mirissa. Der Strand hier war sehr viel kleiner als in Tangalle und gesäumt von Bars und Restaurants. Zudem gab es natürlich sehe viel mehr Touristen, die alle schön in der Sonne brutzelten. Unser Homestay war nett aber nichts außergewöhnliches. Wir verbrachten den ersten Tag natürlich am Strand und aßen in einer der Strandbars zu Mittag (natürlich waren die Preise hier angepasst, während man in den Garküchen an der Straße sehr viel weniger zahlte.) Aber wir wollten eben das Flair am Strand genießen.

Abends gab es wieder Cocktails und Bier. Am nächsten Tag lief unser Programm ähnlich ab. Wir sonnten uns, plantschten im Wasser und genossen das fröhliche Nichtstun. Da Jojos Erkältung und insbesondere der Husten (seit Ella) nicht wirklich besser werden wollte, gab es für sie abends nur ein paar Cocktails und dann zog sie sich aufs Zimmer zurück. Tom verabredete sich mit Vlad aus Kanada/Ukraine zur Stranddisco. Hier unterhielt er sich mit anderen Backpackern und genoss ein paar Bierchen.

Am nächsten Tag brachte uns der Bus zu unserer letzten Station in Sri Lanka, nach Ahungalle. Wir hatten hier für 2 Nächte ein kleines niedliches Homestay gebucht, deren Besitzer uns herzlich willkommen hießen. Wir erkundeten kurz den Ort und brachten unsere schmutzige Wäsche in die Wäscherei. Unterwegs wurden wir ständig von Einheimischen belagert, die entweder Geld wollten oder versuchten uns eine Tuk Tuk Fahrt aufzuquatschen. Auch Kinder hielten uns an und wollten Bonbons. Dieses Schauspiel zog sich auch am nächsten Tag so fort und wir waren wirklich schon richtig genervt. Zum Glück hatten wir Ruhe in unserem Homestay. Hier lebten wir in einem fast 100 Jahre alten Haus mit dicken Mauern, wo es drinnen angenehm kühl war. Unsere Gastgeberin zauberte zum Abendbrot leckeren Fisch, Shrimps und Calamari für uns, wir konnten es uns nochmal so richtig gut gehen lassen. Auch ein paar Stunden Relaxen am Strand war für uns drin. Dort war es nämlich fast menschenleer und nur ein paar Resortgäste, die sich wohl von ihrem geliebten Pool weggetraut hatten, leisteten uns Gesellschaft. Unsere Gastgeberin hatte uns vor den sogenannten Beachboys, die ziemlich aufdringlich werden können und nur an unser Geld wollten, gewarnt. Wir hatten weitestgehend Glück, nur einer ging uns auf die Nerven. Schlimmer fanden wir die Kinder, die sich wahrscheinlich die Masche von den Großen abgeschaut hatten und Touristen nervten.

Am 23.1. war dann unser „Urlaub“ in Sri Lanka zu Ende. Wir fuhren mit dem Bus zurück nach Colombo und von dort weiter mit dem Shuttle zum Flughafen.

Unser Fazit zu Sri Lanka:

Ja wir sind “kulturgeschockt”. Der viele Smog, der Lärm und dieser haarsträubende Straßenverkehr hat uns schon ganz schön zu schaffen gemacht. Außerdem gibt es hier an zu vielen Ecken zu viel Müll und das hat uns ziemlich ins Grübeln gebracht. Es könnte in Sri Lanka wirklich so schön sein, wenn der viele Unrat nicht wäre. Denn die andere Seite des Landes ist doch wirklich herrlich: wunderschöne Strände, die Nationalparks, das Hochland um Ella und natürlich der Dschungel in Sigiriya, die Tempel und nicht zu vergessen das leichte und gut bekömmliche Essen: Curries, Kotthu, Roti, Lassis und Fruchtshakes haben wir gut vertragen und werden wir wohl sehr vermissen.

 

Kandy, Ella und Udawalawe

In Kandy angekommen schleppten wir unser Gepäck zu Fuß 800 m zum Hostel. Das lag halb versteckt in einer Hintergasse und bestand aus einem gemischten Schlafsaal, einem Schlafsaal für Frauen und einer Dachterrasse. Der Besitzer, der rund um die Uhr anwesend war, schlief quasi in der Hostelküche. Wir entspannten uns kurz und informierten uns bei den anderen Backpackern, wo man hier am besten essen gehen kann.  Für uns gab es dann Streetfood. Näheres möchte ich aber über die Lokalität nicht verraten, dann würden euch allen die Haare zu Berge stehen. Nur so viel, es hat gut geschmeckt und wir haben es überlebt.

Dann sind wir zu Fuß durch die Stadt um den See herum bis zum Zahntempel. Hier befindet sich laut der Überlieferung ein Eckzahn von Buddha Siddhartha Gautama. Er wird in einem Schrein in der Mitte des Tempels aufbewahrt und dieser Schrein wird dreimal täglich geöffnet. Dann versammeln sich zahlreiche Gläubige und Touristen im Tempel um Opfergaben, vorallem Lotusblüten und Geld, darzubringen. Sie glauben, dass die spirituelle Kraft Buddhas in dem Zahn gespeichert ist.

Es war schon ca. 17 Uhr und um 18.30 Uhr sollte dann die Zeremonie beginnen. Wir schauten uns also das Innere des Tempels an, sahen beobachteten zahlreiche Touristen und die ganz in weiß gekleideten Gläubigen und Mönche in rot- und orangefarbenen Roben, rochen den Duft der Räucherstäbchen, hauptsächlich Sandelholz und warteten auf die Zeremonie. Im Außenbereich gab es ein kleines gläsernes Haus, in dem die Gläubigen Kerzen anzünden. Dort saßen wir eine Weile auf einer Mauer und sogen die uns so unbekannte feierliche Atmosphäre in uns auf. Schließlich begann das Spektakel. Es wurde minutenlang laute Musik bzw. Trommellärm gespielt und Mönche liefen geschäftig hin und her. Wir standen auf halber Treppe und beobachteten das Geschehen. Alle strömten in den dritten Stock, wo die heilige Reliquie in einem Schrein aufbewahrt wird. Die Tür zum Schrein wurde geöffnet und man konnte einen kurzen Blick ins Innere werfen. Nach einer Weile reihten auch wir uns ein, fühlten uns komisch zwischen all den weiß gekleideten Menschen, die ihre Opfergaben in der Hand hielten. Wir sind weder weiß gekleidet, noch haben wir Opfergaben mitgebracht, ja wir wissen ja eigentlich kaum um was es hier geht. Wir fühlen uns schon ein bisschen wie dumme Touristen. An der Tür zum Schrein angelangt, erhaschen wir einen Blick vom Inneren. Sehen können wir nichts, außer vielen goldenen Gegenständen. Wo ist der Zahn? Wie wir später erfuhren, ist dieser in mehreren Schatullen versteckt, welche für Normalsterbliche nie geöffnet werden. Wir drehten noch eine letzte Runde im Tempel, ließen uns von den Menschenmassen mittreiben und schubsen, irgendwann landeten wir endlich wieder draußen an der frischen Luft. Wir machen uns auf den Heimweg, unterwegs holten wir uns noch ein Bier.   

Die Nacht verbrachten wir in einem Schlafsaal mit 12 Betten, die auch zu 80% belegt waren. Ein bisschen schwierig gestaltete sich das Einschlafen schon, vielleicht wegen der zahlreichen laut summenden Deckenventilatoren oder vielleicht waren einfach zu viele Leute in einem Raum. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker gegen halb 6. Tom berichtete mir erstmal von den Ereignissen der letzten Nacht. Vor dem einzigen Fenster zum Schlafsaal haben sich Bauarbeiter rumgetrieben die irgendwann ein 2-takt Notstromaggregat in Betrieb nahmen, dessen Abgase direkt durch das geöffnete Fenster in unseren Schlafsaal zogen. Er hat daraufhin versucht den Besitzer des Hostels zu wecken, der ja in der Küche schlief. Irgendwann ist ihm dies gelungen. Der Besitzer hat dann eine Viertelstunde mit den Bauarbeitern diskutiert, bis sich diese endlich breitschlagen ließen den Generator woanders hin zu stellen. Während der ganzen Zeit ist fröhlich verdreckte Luft zu uns ins Zimmer gezogen und keiner außer Tom hat es bemerkt. Ich frage mich ernsthaft, was passiert wäre, wenn es wirklich niemand mitbekommen hätte.

Wir wurden dann später von einem Taxi abgeholt und in einen ca. 12 km entfernten Ort gebracht. Dort stiegen wir in den Zug nach Ella. Der Plan dahinter war folgender: Wir hofften, dass viele Leute in Kandy aussteigen und wir dann einen Sitzplatz ergattern konnten. Das ging leider nicht ganz auf. Schließlich teilten Tom und ich uns einen Sitzpatz und das bei einer 7-stündigen Fahrt.

Im touristischen Ella angekommen, suchten wir zu allererst ein Restaurant auf. Es gab Lumprais, das ist in einem Bananenblatt gebackener Reis mit Hühnchen und Gemüse. Um die Schärfe abzumildern, hatten wir uns einen einen Papayalassi bestellt. Um zu unserer Unterkunft zu gelangen nahmen wir den Bus der die kurvenreiche Strecke bergauf in haarsträubender Geschwindigkeit zurücklegte. Beinahe hätte sich mein Mittagsimbiss wieder verabschiedet. Aber zum Glück war nach 10 Minuten die Fahrt schon wieder beendet. Unsere Rucksäcke schleppten wir die letzten Meter in die schöne Unterkunft mitten in den Bergen mit und genossen später bei einem kühlen Bier die tolle Aussicht und den Sonnenuntergang.

Am nächsten Tag wanderten wir zum Little Adams Peak und danach zur 9 Arch Bridge. Zurück in der Unterkunft machten wir einen langen Mittagsschlaf, weil wir beide den Anflug einer Erkältung verspürten. Für den darauffolgenden Tag hatten wir wieder einen Ortswechsel geplant. Wir wollten nach Udawalawe und in den dortigen Nationalpark. Da uns beiden nicht nach einer anstrengenden Busfahrt zumute war, bestellten wir uns kurzerhand ein Taxi, dass uns in 2 Stunden in unseren Zielort brachte. Dort buchten wir auch direkt für den nächsten Tag eine Safari in den Nationalpark. Um 5.30 Uhr wurden wir schon abgeholt und schauten uns die nächsten 3 Stunden zahlreiche bunte Vögel, u.a. Pfauen, Rehe, Büffel, Krokodile, Füchse, Affen und natürlich Elefanten an.

Nach der Rückkehr im Homestay gab es Frühstück und anschließend wieder Mittagsschlaf, um uns auszukurieren.

 

Sigiriya & Dambulla

Am nächsten Tag wurde uns im Hostel bereits um 6 Uhr das Frühstück auf der Dachterrasse serviert. Eine halbe Stunde später nahmen wir uns ein Tuk Tuk in Richtung Bahnhof. Am Fahrkartenschalter erhielten wir allerdings die ernüchternde Informationen, dass es keine Tickets mehr für den 7:00-Uhr-Zug gäbe. Wir hatten uns allerdings für diesen Zug mit Josh aus Australien verabredet, der sich schlauerweise schon am Vortag sein Ticket gekauft hat. Es nützte alles nichts, wie mussten Josh ziehen lassen und 1,5 Stunden auf den nächsten Zug warten. Dann endlich konnten wir einsteigen und los ging rasante Fahrt ins ca. 134 km entfernte Kandy. Einen Sitzplatz konnten wir allerdings nicht ergattern. Dafür hatten wir Stehplätze mit Aussicht. Zunächst fuhren wir durch die ganzen Vororte und Slums von Colombo. Dies bot aufgrund der Armut und des vielen Mülls einen weniger schönen Anblick, der sich in unsere Köpfe brannte und uns natürlich auch nachdenklich stimmte. Dann ließen wir die Stadt hinter uns und weiter ging die Fahrt durch üppig grüne Landschaft, Reisfelder und kleine Örtchen, durch die der Zug gemächlich mit ca. 25 -30 km/h ratterte. Trotz der geringen Geschwindigkeit war es im Zug unheimlich laut, es wackelte und ruckelte stark, was auf die veraltete Technik zurückzuführen ist. Zudem war es ganz schön eng, da viele Leute stehen mussten und sich auch ständig Händler durch die Reisenden quetschten und gekühlte Getränke, Ananasstückchen und frittierte Köstlichkeiten anboten. Ein Highlight beim zugfahren sind die stets geöffneten Außentüren. Hier kann man wunderbar stehen und den Kopf rausstrecken und die ansich gemächliche Zugfahrt genießen. Natürlich sollte man sich immer gut festhalten.

In Kandy angekommen, wackelten wir mit unserem ganzen Gepäck zum Busbahnhof und ergatterten Plätze im VIP-Bus nach Dambulla. Unser nächstes Ziel hieß nämlich Sigiriya. Auch diese Fährt dauerte wieder ca. 2 Stunden. Unterwegs schlossen wir sicherheitshalber für einen mehr oder weniger erholsamen Schlaf die Augen. Die Fahrweise der Sri Lanker ist, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig. Es wird gehupt und wild überholt, scharf gebremst und von Sicherheitsabstand haben die Menschen hier noch nie was gehört. So tut man besser daran, einfach nicht hinzuschauen. Warum tun wir uns die Busfahrt überhaupt an? Weil es spottbillig ist.

In Dambulla mussten wir uns ein Tuk Tuk nehmen, und lernten dabei Manjula kennen. Manjula ist ein netter Kerl und guter Tuk Tuk-Fahrer, allerdings schaut auch er wo er bleibt und so sind wir überzeugt, dass auch er uns ein bisschen ausgenommen hat. Aber was sind die paar Peanuts schon, wenn sie ihm und seiner Familie (er hat 2 Kinder) ein angenehmes Leben ermöglich. Unterwegs hielt er an einem Ayurveda Herbal Garden an, wo uns verschiedene Heilpflanzen erklärt und eine Massage verpasst wurde. Letzten Endes lief es darauf hinaus, dass wir die dort hergestellten “medizinischen” Produkte kaufen sollten. Außer einem Antimückenspray nahmen wir allerdings nichts weiter mit.

Als Übernachtungsmöglichkeit empfahl uns Manjula dann ein erst kürzlich eröffnetes Homestay. Dort fanden wir ein hübsches Zimmer vor und hatten auch unsere Ruhe, da wir die einzigen Gäste waren. Die Familie war sehr freundlich und hilfsbereit und sie zauberten uns am nächsten Morgen ein schmackhaftes traditionelles Frühstück. Das sah zwar zunächst ungewohnt aus und war weit entfernt von Brötchen und Nutella aber suuuper lecker. Nicht zu verachten ist außerdem der Sri Lanka Kaffee, welcher zwar jede Menge Satz enthält, aber ebenfalls sehr köstlich und nicht so stark ist, wie für gewöhnlich unser Kaffee in Deutschland.

Nach diesem Frühstück am nächsten Tag, machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Löwenfelsen. Unterwegs sprachen uns wieder jede Menge Tuk Tuk-Fahrer an. Nein wir wollten nicht mitfahren, sondern l-a-u-f-e-n. Unterwegs bemerkten wir auch lustige gelb-schwarze Straßenschilder die vor umherwandernden Elefanten warnten. Na hoffentlich läuft uns jetzt nicht so ein Koloss über den Weg, dachten wir uns, und setzten unsere Reise in der feuchtwarmen Hitze fort. Der Eintritt zum Felsen kostete uns dann knapp 10000 Rupien (=53 €= Wucher) aber das mussten wir nun schlucken. Um uns herum tummelten sich auch schon zahllose Touristen aus aller Herren Länder und so freuten wir uns auch mächtig auf den Aufstieg über gefühlt eine Millionen Treppenstufen. Unterwegs besichtigten wir die berühmten Wolkenmädchen-Fresken von Sigiriya, rätselhafte Wandmalereien von hübschen Frauen mit üppigen Vorbau, deren fotografische Ablichtung allerdings verboten war. Durch die Überreste eines Löwentors – leider sind hier nur noch die Tatzen links und rechts vom Aufstieg übrig – ging es weiter steil bergauf bis wir schließlich auf dem 200 m hohen Felsplateau angekommen waren. Zu besichtigen gab es hier die Überreste einer ehemaligen Festung, die wahrscheinlich im Jahr 473 n. Chr. erbaut wurde und einige Jahre als Herrschersitz diente. Vom Felsen hat man zudem einen wunderschönen Ausblick auf das umliegende Bergland.

Im Anschluss gönnten wir uns dann im kleinen Örtchen Sigiriya ein wohlschmeckendes vegetarisches Curry und einen leckeren Papayasaft. Am Vorabend hatten wir in einer anderen Garküche ebenfalls Papayasaft und dazu ein köstliches Kottu probiert – irgendwie sind wir (bei beidem) auf den Geschmack gekommen.

Nach dem Essen waren wir hundemüde und hielten ein langes Mittagsschläfchen. Abends rafften wir uns dann doch noch einmal auf und wanderten zum Pidurangala Felsen (aber nicht hinauf – da es schon dämmerte und unheimlich geregnet hat).  Und schon war unsere zeit in Sigiriya vorbei und wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern. Der Tuk Tuk-Fahrer Manjula holte uns am nächsten Tag wieder ab und fuhr uns zu den Höhlentempeln in Dambulla. Hier wartete der nächste steile Aufstieg auf uns.

Gegen Mittag stiegen wir in den Bus zurück nach Kandy. Diesmal kein VIP-Bus sondern ein ganz normaler ohne Klimaanlage. Die Fahrt war also schon etwas abenteuerlich. Aber auch das haben wir wohlbehalten überstanden.

Sri Lanka – eine andere Welt

Am 08.01.2018 ging unser Heimaturlaub zu Ende. Wir hatten 2 aufregende und fast schon stressig anmutende Monate mit unseren Familien und Freunden verbracht und sind dankbar für die Wiedersehensfreude, die vergossenen Freudentränen, jedes einzelne Treffen, jede Party und jedes Beisammensein, welche uns gezeigt haben, dass Entfernung echte Freundschaften nicht auseinanderbringen kann.

Und jetzt freuen wir uns darauf,  euch wieder mit auf unsere Reise nehmen zu können. Auf geht’s nach Sri Lanka – die Perle im indischen Ozean. Für Jojo ist es das erste asiatische Land, und dementsprechend hoch ist bei ihr die Anspannung. Tom ist bereits mit China vertraut und mit dem Glauben, dass ihn nichts mehr schocken kann, stieg er ins Flugzeug.

Colombo

Bei Ankunft am Flughafen nach insgesamt 2 Flügen, 12 Stunden Flugzeit und 6 Stunden Wartezeit in Doha, schlug uns gleich feuchtwarme Luft entgegen. Außerdem konnten wir bereits jetzt eine Dunstglocke im Himmel über uns ausmachen und hatten eine wage Vermutung, woran das lag. Wir kassierten einen Aufkleber in unserem Pass, holten unser Gepäck, organisierten uns eine Sim-Karte und Bargeld in der Landeswährung Sri-Lanka-Rupie (LKR). Am Ausgang erwartete uns schon unser vom Hostel organisierter Taxifahrer. Mit dem Auto ging es dann bei einer ca. 1-stündigen Fahrt ins 35 km entfernte Colombo. Für die ersten beiden Nächte hatten wir ein Zimmer im Schlafsaal eines Hostels gebucht. Dort angekommen, fielen wir erst einmal in einen 4-stündigen Tiefschlaf. Mit trockenen Kehlen standen wir gegen 12 Uhr mittags wieder auf und mussten uns prompt auf Trinkwassersuche begeben. Wir verließen also das Hostel um uns in das Stadtgewimmel zu stürzen. Stickige, stinkende Luft und ohrenbetäubender Lärm, verursacht durch die zahllosen Three-Wheeler (Tuk Tuks), Busse, Mopeds, Motorräder und Baustellen, schlug uns entgegen und betäubte fast unsere Sinne. Etwas ratlos versuchten wir einen Supermarkt zu finden und gelangten schließlich in eine Art Markthalle, wo Obst und Gemüse verkauft und Hühner und anderes Getier geschlachtet wurde. In einem kleinen Shop konnten wir dann doch endlich 2 Flaschen Wasser ergattern, welches wir durstig unsere Kehlen hinunterkippten. Ein bisschen ziellos wanderten wir dann in dem Viertel umher, gelangten zu einem Foodcourt (Fressmeile) und probierten uns an einem scharfen Reisgericht. Um uns herum saßen eigentlich nur Einheimische, von denen wir neugierig gemustert wurden und wir versuchten besonders unauffällig zu sein. Zurück im Hostel, trafen wir in unserem 5-Mann-Zimmer auf Vlad den Kanadier/Ukrainer, den wir bereits am Flughafen kennengelernt hatten. Nach einem weiteren Mittagsschlaf – den hatten wir alle bitter nötig – teilten wir uns unser erstes Tuk Tuk, um zu einem Pub zu gelangen. Dort probierten wir die Landesspezialität Arrack, einen Schnaps aus Palmenblütensaft. Außerdem gab es Bier für alle und Fingerfood in Form von frittiertem Gemüse.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Vlad und machten uns auf den Weg, Colombo zu erkunden. Wir gelangten zum Gangaramaya Buddhist Temple. Hier zogen wir unsere Schuhe aus und Jojo legte einen Sarong um ihr Hüfte, da ein Zutritt nur in Shorts bekleidet nicht erlaubt war. Im Tempel war dann die Geräuschkulisse der Stadt nur noch sehr gedämpft wahrzunehmen, eine Wohltat für unsere Ohren. Wir bestaunten unter anderem eine Sammlung von Buddha-Figuren, Oldtimer und einen Bodhibaum. Im Eintrittspreis inbegriffen war auch ein Besuch im nicht weit entfernten Seema Malaka. Auf einer dreiteiligen Plattform auf dem See gebaut, befindet sich die relativ junge Außenstelle des Gangaramaya Tempels. Anschließend ließen wir uns von einem Tuk Tuk-Fahrer Richtung Norden bringen. Dort waren wir gerade dabei einen alten Uhrturm zu fotografieren, als wir von einem Einheimischen angesprochen wurden. Er wollte uns den Besuch einer buddhistischen Zeremonie ans Herz legen und in der Annahme, dass sich dieses Event gleich in der Nähe abspielen würde, folgten wir ihm. Plötzlich hielt er ein Tuk Tuk an und ließ uns einsteigen. “Dumm” wie wir waren, haben wir das mit uns machen lassen. Nach ca. 3 Minuten Fahrt wurden wir allerdings etwas unruhig und fingen an Fragen zu stellen. Irgendwann war uns klar wo die Reise hinging, nämlich zum Gangaramaya Buddhist Temple, denn wir ja erst vor einer Stunde besucht hatten. Wir ließen das TukTuk anhalten und sollten geschlagene 600 LKR bezahlen. Wir gaben dem Fahrer 150 LKR und machten uns schleunigst davon. Wir ärgerten uns noch ganze 10 Minuten, dass wir uns haben übers Ohr hauen lassen. Wie kann man nur so blöde sein und sich so bequatschen lassen. Naja, aus Erfahrung lernt man. Dachten wir. Das sollte allerdings nicht unsere letzte Begegnung mit den freundlichen aber mitunter aufdringlichen Locals gewesen sein.

Für den nächsten Morgen hatten wir die ca. 3 Stündige Zugfahrt nach Kandy geplant. Dafür mussten wir zeitig ins Bett, um ein bisschen erholsamen Schlaf abzubekommen.

 

Sydney (ein Nachtrag)

Unser erster Weg in Sydney führte nicht zur Harbour Bridge oder zum Opera House, sondern zu einer Airbnb-Unterkunft im ruhigen Carlingford und zum Carwash. Carwash? Ja genau. Unser schöner Friedrich sollte nicht nur wieder weiß glänzen sondern auch noch verkauft werden. Diesen Plan und den Entschluss, uns auf Heimaturlaub zu begeben, fassten wir, als wir auf unserer Düne mit Blick auf Uluru saßen. Ihr erinnert euch?

Da uns das Heimweh plagte, unser Visum Anfang November auslief und diverse berufliche Angelegenheiten zu klären waren, hatten wir uns entschieden, die Koffer zu packen und der lang entbehrten Heimat einen Besuch abzustatten. Um unbeschwert die Heimreise antreten zu können, wünschten wir uns einen neuen liebevollen Besitzer für Friedrich, da es schlichtweg unseren finanziellen Rahmen gesprengt hätte, Friedrich irgendwo am Flughafen zu parken. Also mussten wir in den ersten Tagen in Australiens größter Hafenstadt unser Auto ausräumen, putzen und unsere Habseligkeiten aussortieren. Es hatten sich schon einige Interessenten gemeldet und schließlich konnten wir unser Auto sogar innerhalb einer Woche in junge Stuttgarter Hände geben. Uns fiel ein Stein vom Herzen, auch wenn wir natürlich ziemlich traurig waren, unseren treuen Weggefährten, der uns ca. 30000 km durch das Land kutschiert hatte, einfach so abzugeben. Friedrich war ja nicht nur unser fahrbarer Untersatz, sondern auch unser Zuhause gewesen.

Aber diesem Tag hatten wir endlich Zeit, die Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders angetan hat es uns dabei die imposante Harbour Bridge. Vom Pylon Lookout auf der Harbour Bridge hat man nämlich einen ganz tollen Blick in Richtung Opera House und Circular Quay und kann außerdem die riesigen Kreuzfahrtschiffe beobachten, die jeden Tag in den Hafen einlaufen.  Die vielen kleinen Inseln und Halbinseln wie Manly (ausgenommen der Strand – genau so überlaufen und überbewertet wie Bondi Beach) oder Watsons Bay, der Sydney Harbour Nationalpark und der Botanische Garten boten uns Ruhe und Entspannung. Sydney ist unheimlich grün und nicht so staubig und dreckig wie man sih zunächst eine Großstadt vorstellt. Durch das langgestreckte natürliche Hafenbecken, um welches die Stadt gewachsen ist, fühlt man sich einfach nie eingeengt und man hat die Natur mit unheimlich schönen Stränden, Parks und einer bunten Tierwelt direkt vor der Tür. Wir besuchten außerdem Paddy’s Market, wo es hauptsächlich Obst und Gemüse sowie allerlei Klimmbimm zu kaufen gibt, probierten in Chinatown eine Spezialität namens Emperor’s Custard Puffs, mit Pudding gefüllte Eierkuchenteigkugeln und erkundeten Darling Harbour, mit dem Hard Rock Cafe und der Pyrmont Bridge (Historische Drehbrücke).

Unsere Airbnb-Gastgeber waren zudem sehr zuvorkommend und freundlich und in deren Haus konnten wir Küche, Wohnzimmer und Waschmaschine nutzen. Es gab sogar eine Sitzecke und einen Pool. Es fehlte uns also in den drei Wochen an nichts. Besonders glücklich waren wir über unser Vierpfötigen Mitbewohner, zwei besonders knuffige Katzen.

 

 

Alles in allem konnten wir unsere Zeit in Australien mit dem Aufenthalt in Sydney angemessen abschließen und wir sind auch irgendwie glücklich darüber gewesen, dass wir uns dieses I-Tüpfelchen bis zum Schluss aufgehoben haben. Das Jahr in Down Under ist leider viel zu schnell vorbei gewesen und wir haben unglaublich viel erlebt.

Zur Erinnerung:

Hinflug: 07.11.2016 Dresden – Düsseldorf – Dubai – Melbourne

Fahrbarer Untersatz: Nissan Patrol, 2.8 Diesel, Bj. 1996

Strecke: ca. 30.000 km (Melbourne – Adelaide – Perth – Darwin – Alice Springs – Adelaide – Sydney)

Workstop: 5,5 Monate Dairyfarm in Albany/Denmark

Rückflug: 8.11.2017 (Sydney – Doha – Berlin)

Wir haben die Möglichkeit ein zweites Work-and-Holiday-Jahr in Australien zu “absolvieren”, noch sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir das auch tun werden. Aber eines steht fest, Australien hat uns verzaubert und wir haben es in unser Herz geschlossen. Sei es wegen der offenen und freundlichen Menschen, der wunderbaren Natur, der angenehmen Temperaturen, der guten Möglichkeiten für Backpacker und Reisende oder der leckeren Mangos und Avocados Smiley Es ist definitiv immer eine Reise wert und wir können jeden verstehen, der hier nicht nur einmal sondern immer wieder herkommt, um seinen Urlaub hier zu verbringen. Es gibt so viel zu sehen und selbst wir haben bei weitem noch nicht alles davon geschafft. Also liebe Leute, wenn ihr diesen Text bis zum Ende gelesen habt und euch die Frage stellt, wohin eure nächste Reise gehen soll, möchten wir euch diesen Floh gerne ins Ohr setzen:

Australien? Definitiv JA!!!!!

 

To be continued…….

Zwischenstopp Deutschland

Seit 9.11.2017 befinden wir uns in der Heimat. Für ca. 2 Monate wollen wir vertraute kalte Winterluft schnuppern, unsere Familien besuchen, Freunde treffen und uns ein bisschen von unserem aufregenden Australienjahr “erholen”.

Wir sind auch fleißig dabei, weitere Reisepläne zu schmieden, denn eines steht für uns definitiv fest: die Reise muss weiter gehen!

Unsere Posts über Sydney und die Heimreisepläne werden wir nachschießen, derzeit sind wir aber, man mag es kaum glauben, voll eingespannt!

 

Wir wünschen euch allen eine schöne und besinnliche Adventszeit. Lasst es euch gut gehen und bleibt gesund.

 

Bis bald,

Eure “Urlauber” Jojo & Tom

Blaue Berge

Für die Strecke in den Osten haben wir 5 Tage gebraucht. Wir sind über Renmark und Mildura gefahren, dann nach Hay und weiter über West Wyalong, Bathurst und bis nach Lithgow. Eine der schönsten Übernachtungsmöglichkeiten fanden wir im Bakers Shaft Reserve, einem kleinen Nationalpark, weit ab von allem und wunderschön gelegen. Dieser friedliche Ort lud zum Spazieren ein. Ringsherum gab es sanft abfallende grüne Hügel, zahlreiche Rinder, ein Flüsschen und Sonnenschein. 

Blue Mountains –

sieht aus wie Elbsandsteingebirge, ist es aber nicht. Es ist einer der Touristen-Hot Spots im Osten Australiens. Ein Must Do, wenn man in Sydney ist. 1100 m hohes Sandsteinplateau, blauer Dunst, Urwald – darauf kann man sich einstellen, wenn man den Blue Mountains einen Besuch abstatten will. Und wie bei allen Orten, die von Touristen stark frequentiert werden, ist es auch hier nicht anders, denn es gibt sie, die geheimnisvollen Ecken, die kaum einer kennt. Um diese zu finden, muss man einfach folgendes machen: Der erste Weg sollte ins Informationszentrum führen. Dort hört man sich an, was die netten Damen und Herren einem zu sagen haben. Uns brachte es am Tag 1 eine Wanderung zum Pulpit Rock ein, den wir mit einer Gruppe älterer Damen und ein paar Chinesen teilten. Wir hatten von dort eine wunderbare Sicht auf die bläulichen Eukalyptuswälder und das alles (fast) für uns allein. Den Pulpit Rock erreichten wir vom Govetts Leap Lookout aus. Ein (schmaler) 7 km langer Wanderweg führt treppab- und treppaufwärts an den Horseshoe (Hufeisen) Falls und anderen kleineren Aussichtspunkten vorbei,und bietet dabei grandiose Aussicht auf das vor einem liegende Grose Valley. Auf dem Weg überquert man einen kleinen Bach, an dem links und rechts riesige Farne wachsen, durchläuft Sümpfe und offenes Heideland und kann Wildblumen und Wildlife betrachten. Hätten wir ohne den Hinweis nie gemacht und das wäre schade gewesen.

Vom Evans Lookout überschauten wir nochmals das dichte Blätterdach der Eukalyptusbäume im unter uns liegenden Tal. Kaum vorstellbar, dieses zu durchdringen, und doch: es gibt einen Wanderweg – den Grand Canyon Walk. Den haben wir uns aber für den nächsten Tag aufgehoben, da wir von einer Wanderung schon ziemlich kaputt waren.

Auf der anderen Seite des Felsplateaus wagten wir trotzdem noch einen kurzen Ausflug. Ein Wanderweg führte zu den Gordon Falls, dazwischen wieder mehrere Aussichtspunkte und Blick auf das riesige bewaldete Jamison Valley.

Vom Örtchen Katoomba gelangten wir dann später noch zum Echo Point und zu den Three Sisters, einer imposanten Felsformation aus 3 Felszinnen.  Gegen 17 Uhr war es hier einigermaßen ruhig, diesen Tipp hatten wir auch von der Dame vom gelben“I” (Touristeninfo) bekommen. Vom Echo Point aus kann man auch mehrere kleine Wanderungen starten, wir spazierten nur auf dem 400 m langen Honeymoon Walk zur Honeymoon Bridge. Dabei geht es eine steile, viel zu enge Treppe hinunter, auf der sich (trotz der späten Stunde) noch viel zu viele Touristen drängelten.

Leider meinen manche Menschen, auch im zivilisierten Australien, ihren Müll überall fallen lassen zu können. Eine Sache, die in einer Landschaft, die zum UNESCO Welterbe zählt, völlig fehl am Platz ist. Liebe Besucher der Blue Mountains, es gibt Mülltonnen und man kann sie benutzen, denn Müll löst sich nicht einfach in Luft auf, danke.

Am nächsten Tag zog es uns dann wieder weg von Touristenmagneten, hinein in tiefen undurchdringlichen Urwald. Wir nahmen den Grand Canyon Walk in Angriff, davon hielten uns auch nicht die 90.000.000 Treppenstufen am Anfang ab, die wir ja auch irgendwann wieder raufklettern mussten.  Am Grunde der Schlucht war es ausgesprochen angenehm, ja fast schon ein bisschen zu kalt. Überall wo ein Sonnenstrahl hinfiel, leuchtete es grün oder glitzerten Regentropfen. Ein malerischer Anblick, den wir so nicht erwartet hatten und uns sehr beeindruckte. Man kann sagen, dass es vielleicht eine glückliche Fügung ist, dass hier nicht so viele Leute hinkommen, denn Orte wie dieser vertragen Menscheninvasionen einfach nicht. Wir ließen uns auf dem 6 km langen Pfad von Wasserfällen, Schluchten und einer Höhle in den Bann ziehen und fühlten uns wie in einer anderen Welt oder in der Zeit ein paar 10.000 Jahre zurückversetzt. Es war wirklich grandios.

 

 

Eine weitere Nacht verbrachten wir umgeben von Eukalyptuswäldern und wieder ohne Handynetz, bevor es dann endlich in die große, lang ersehnte Stadt ging.

Zurück in den Süden

Einmal bis nach Adelaide, bitte!

Wir verließen Uluru und fuhren 463 km zurück nach Alice Springs, weil dort ein Paket auf uns wartete. Wir buchten noch einmal eine Nacht auf dem uns bereits bekannten Campingplatz (diesmal mit deutschen Campingnachbarn) und machten wieder ein paar Besorgungen.

Unseren ursprünglichen Plan, über den Plenty Highway in Richtung Cairns zu düsen, hatten wir über Bord geworfen. Wir hatten einfach kein gutes Gefühl bei der Vorstellung, 1000e km durch absolutes Nichts zu fahren (ja, wir sind eigentlich die ganze Zeit durch “Nichts” gefahren, aber irgendwie war das was anderes). Wir peilten daher den Weg in den Süden an, dahin, wo wir vor einem dreiviertel Jahr schon einmal waren – Adelaide.

Wir passierten also die Grenze zu South Australia und dies brachte auch einen Wetterumschwung mit sich. Am Morgen waren wir noch durch 40°C Hitze gewandert, um uns die Henbury Meteoriten Krater und das Rainbow Valley anzuschauen, plötzlich standen wir im Regen.

Weiter ging es nach Coober Pedy, mit untypischen wolkenverhangenem Himmel, und zum “Underground-Nest” von Crocodile Harry. Der war ein Ex-Krokodiljäger, der 1970 nach Coober Pedy zog, um nach Opalen zu suchen. Da es in Cooper Pedy richtig richtig heiß werden kann,hatten sich die Leute etwas ganz tolles ausgedacht. Sie buddelten oder sprengten  Höhlen in die Erde oder den Fels und formten sie zu Wohnungen . Das wird teilweise auch heute noch gemacht, allerdings mit anderer Technik. Es gibt allerdings auch ganz normale Häuser in Coober Pedy, dank aufwendiger Klimaanlagen. Früher war es jedoch einfacher, in kühlen Höhlen untertage zu hausen. Einige von diesen Wohnungen sind mehr oder weniger berühmt berüchtigt, noch erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich. Harry war ein Lebemann und den Frauen sehr zugetan. Sein Haus hat er auf skurrile und exzentrische Art und Weise künstlerisch gestaltet. Kein Wunder also, dass sein Haus auch als Filmkulisse gedient hat. Es taucht nämlich in dem Film Mad Max 3 auf. Seine Fans und Touristen zieht es seit je her in diese Wunderhöhle, und das sieht man. Denn sie haben Spuren hinterlassen, in Form von Malereiern und Souveniers die überall verteilt sind. Und das alles kann man auch heute noch bestaunen. Jedenfalls wird man gar nicht fertig mit guggen. Auf den Fotos, die wir gemacht haben, kann man nur ansatzweise erahnen, wie trashig diese “Bude” wirklich ist. Harry ist 2006 verstorben, trotzdem blieb alles an seinem Platz und die Tür steht für jeden immer noch offen. Wenn man sich die Meinungen und Bewertungen über diese “Sehenswürdigkeit” im Internet durchliest, dann sind die wie zu erwarten zwiegespalten. Wir finden, es spielt keine Rolle, ob man alles versteht oder nachvollziehen kann, was in dem Haus rumsteht oder gemalt ist, darauf kommt es auch gar nicht an, es sind Nachrichten an den ehemaligen Bewohner und dessen Kunstwerke. Was zählt ist, dass sich alle richtig was einfallen ließen. Also hingehen, anschauen, entdecken und staunen.  Man muss es nicht werten.

Eine Mine haben wir dann doch nicht angeschaut, auch nicht nach Opalen gesucht, die kann man nämlich in der Stadt ganz bequem käuflich erwerben. Sonst ist Coober Pedy eben eine Outbackstadt – staubig, öde und einsam.

Port Augusta und Mt. Remarkable Nationalpark waren unsere nächsten Ziele. Hier wollten wir uns die Alligator Gorge anschauen und ein bisschen wandern. Danach führte uns eine Landstraße durch einen besonders grünen Landstrich, durch das Clare Valley bis nach Adelaide. Hier ging es wieder hoch hinaus nach Bel Air. Unser ehemaliger Couchsurfer-Host Thomas erwartete uns schon. Auch seine Familie, die uns vor einem dreiviertel Jahr so herzlich empfangen hatte, war anwesend und so verbrachten wir 2 Nächte im Hause Donald. Es war ein bisschen wie heimkehren. Am ersten Abend saßen wir gleich ein paar Stündchen zusammen und wir konnten erzählen, was wir alles im letzten Jahr erlebt hatten. Die Fragen hörten auch gar nicht auf und alle redeten durcheinander.

Ein bisschen Sightseeing machten wir in Adelaide auch noch, das führte uns nochmal an den Strand nach Glenelg, in die Innenstadt und ins Museum, zum Guggen in den German Club mit seiner typisch deutsch-bayrischen Einrichtung, deutschem Bier und deutschen Speisen und in die Uni-Mensa für einen wirklich leckeren Burger. Wir versuchten Thomas, der an der Uni einen Deutschkurs belegt hat, ein bisschen beim Lernen zu unterstützen und freuten uns auch Hund Missy und Kater Chester wieder zu sehen. Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Überschattet von einem persönlichen Abschied in der fernen Heimat, verließen wir, doppelt traurig, Adelaide.

Wir begaben uns als nächstes in Richtung Barossa Valley. Unterwegs zog es uns in die Natur und wir konnten den sonnigen Tag trotz allem ein bisschen auszunutzen. Zwei kleine Wanderungen im Para Wirra Recreation Park und im Kaiserstuhl Conservation Park brachten uns vorrübergehend auf andere Gedanken. Dazwischen genossen wir die grandiose Aussicht auf die Weinberge. In Greenock campten wir wieder am Kricket-Oval, genau wie letztes Jahr im Dezember.

 

Nach unserem Aufenthalt im Barossa Valley düsten wir schnurstracks in Richtung Sydney. Vor der Hafenstadt gab es für uns nur noch ein Ziel: Blue Mountains!

Ein unausgesprochenes Verbot, versteinerte Köpfe und ein Touristenmagnet

Uluru (Ayes Rock) und Kata Tjuta (Olgas) im Kata Tjuta Nationalpark

Für viele ist es DAS Australien, andere wollen ihn gar nicht sehen. Wir haben uns diese Sehenswürdigkeit Australiens einfach eine ganze Weile aufgehoben, aber eines stand von Anfang an fest: Wir wollen Uluru sehen.

Nun hat es sage und schreibe ein dreiviertel Jahr gedauert, aber schließlich und endlich haben wir uns auf den Weg zum roten Felsen gemacht.

 

1. Oktober 2017 – Wer sieht zuerst den Uluru?

Vom Kings Canyon aus waren es nur noch rund 300 km. Spannung lag schon in der Luft und wir reckten die Hälse nach dem roten Berg, da war eigentlich noch nicht einmal an ihn zu denken. Dafür erspähten wir etwas anderes: Mt. Connor. Ein Tafelberg, der sich allerdings in Privatbesitz befindet und Besteigungen nur im Rahmen einer geführten Wanderung möglich sind. Trotzdem beeindruckte er uns. Wir hätten ihm sicher einen Besuch abgestattet, wenn nicht so ein Gewese drum gemacht worden wäre.

Der Tag war schon sehr weit fortgeschritten und eine Fahrt in den Kata Tjuta Nationalpark hätte sich nicht mehr gelohnt. Wir hielten also in der Curtin Springs Station, bezahlten 3 $ für die Dusche und suchten uns einen ansonsten kostenfreien Stellplatz. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker schon um 5 Uhr und Jojo drehte sich nur grummelnd auf die andere Seite und versuchte den morgendlichen Weckruf zu überhören. Es half aber alles nichts, schließlich hatten wir geplant den Sonnenaufgang am Berg beizuwohnen. Also aufgestanden und zusammengepackt und die Fahrt ging los. Es trennten uns noch ca. 100 km vom Uluru und diese bewältigten wir in einer Stunde. Von der Landschaft um uns herum sahen wir allerdings noch gar nichts, denn es war noch stockdunkel. Also rätselten wir weiter rum, in welche Richtung wir denn nun eigentlich zu schauen haben, um zumindest die ersten Konturen von Uluru erspähen zu können. Nach Passieren der Parkgrenze und Bezahlen der 50 $ für den 3-Tages-Parkpass tauchten dann auch linkerhand eeeendlich die schwarzen Umrisse des Felsens vor uns auf. Zumindest wussten wir nun, wo wir hinschauen mussten, auch wenn wir sonst noch nicht wirklich viel erkennen konnten. Kurz vor halb 7 hatten wir dann einen Parkplatz am Sunrise-View-Point gefunden. Da es uns aber tausende Touris gleichtun wollten, beschlossen wir kurzerhand, nicht zur Aussichtplattform zu laufen, sondern wir kletterten auf unser Autodach und bestaunten das Schauspiel vom Parkplatz aus (so ziemlich in Ruhe also).

Kata Tjuta – many heads

Gegen 9 Uhr packten wir dann auch hier zusammen und begaben uns zu den ca. 50 km weiter entfernten Kata Tjuta oder auch Olgas genannt. Diese sind der Legende der einheimischen Aborigines nach versteinerte Köpfe oder versteinerte Riesen, also 36 einzelne abgerundete Bergkuppen, die sich über eine Fläche von 36 km² erstrecken. Hier wollten wir wandern gehen. Ein ca. 7 km langer Rundweg sollte durch die Berge und durch das Tal des Windes führen. Der Anstieg war zunächst ziemlich steil und anstrengend, führte dann einige Male wieder abwärts und wieder hoch hinauf, passierte 2 Aussichtspunkte und 2 Trinkwasserauffüllstationen. Von Nahem stellten wir fest, dass die Oberfläche der Felsen viel durchwachsener, vernarbter und rauer war,und die Felsen insgesamt viel höher über unseren Köpfen aufragten, als es von Weitem den Anschein erweckte. Der Größte von ihnen, Mt. Olga, soll ca. 546 m groß sein und ist damit sogar höher als der Uluru. Den Wind, der Legende nach der Atem der Schlange Wanambi, die auf Mt. Olga wohnt, hörten wir zwischen den Felsen fauchen und heulen, als wenn die “Köpfe” zu uns sprechen würden.

Wir hatten an dem Tag auch wirklich Glück mit dem Wetter. Es war nicht zu heiß und nicht zu kalt und auch die Sonne ließ sich blicken. Das war umso besser, da wir so den orangerötlichen Schimmer der Felsen im Sonnenlicht bestaunen konnten. Ansonsten kreuzten einige Schulklassen und Touribusoutbackadventuregruppen unseren Weg, aber damit muss man sich bei einem so touristischen Platz wohl abfinden.

Achtung: Dieser Wanderweg wird bei heißem Wetter ab 11 Uhr morgens geschlossen. 

Nach Beendigung der Wanderung im Valley of the Winds hatten wir aber noch nicht alles gesehen. Nun stand uns noch der kurze Weg in die Walpa Gorge bevor. Der Weg war auf jeden Fall einfacher zu bewältigen und kürzer. Hier fühlten wir uns dann mal so richtig klitzeklein zwischen den kuppelförmigen Felsen, die links und rechts von uns aufragten.

Am Dune Viewing Point, beliebter Punkt für Sonnenauf- und untergänge, machten wir Rast, gönnten uns einen kleinen Backpackerimbiss (Instantnudeln) und genossen den Panoramablick auf die 550 Millionen Jahre alten Felsformationen (inkl. Uluru).

Am Nachmittag schauten wir noch in Yulara vorbei, auf der Suche nach einer Tankstelle und einem Supermarkt. Dieser Ort besteht eigentlich im Großen und Ganzen nur aus (Luxus)Hotels, Hostels und Campingplätzen und ist damit erste Anlaufstelle für alle Touristen, wenn es um Unterkünfte, Mietwagen etc. geht. Der Supermarkt, den wir dann glücklicherweise entdeckten, war auch gar nicht so teuer, wie wie erwartet hatten. Trotzdem sind Übernachtungen in dem Resort nicht ganz billig. Der Campingplatz kostet zum Beispiel knapp 25 $/ Nacht und das nur, wenn der teurere voll ist.

Da wir allerdings auf dem Spartrip sind, wollten wir uns das nicht geben. Wir verließen den Nationalpark und WikiCamps führte uns zu einem halboffiziellen Freecamp in den Dünen mit Blick auf den Uluru. Dank Friedrich konnten wir ohne Probleme durch den Sand fahren. Wir schlugen unser Lager auf einer Düne auf und hatten von dort eine gigantische Aussicht. Um uns herum wurde es auch immer belebter und wir mussten “unsere” Düne mit zahlreichen anderen Sparfüchsen teilen. Alle kamen hierher um Fotos zu schießen oder im Sonnenuntergang ein Bierchen zu trinken. Das taten wir natürlich auch. Wir stellten unsere Kamera in Position, um mit der time lapse-Funktion unserer GoPro den Sonnenuntergang am Uluru (im Zeitraffer) festzuhalten.

 

 

Eine Düne für umsonst

Das Aufwachen am nächsten Morgen war auf der einen Seite spektakulär und auf der anderen Seite etwas ruppig, da mal wieder unsere Sanddüne von fremden Wesen eingenommen wurde und wir uns in unserer morgendlichen Ruhe ziemlich gestört fühlten. Ein paar ganz Schlaue hatten sogar ihre Drohne mitgebracht, deren Surren uns richtig auf die Palme brachte. Seit diesem Tag hassen wir Drohnen. Das Schlimme ist ja, dass jeder meint, er bräuchte so ein blödes Ding und dabei machen die meisten damit nichts anderes, als anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Aber wir konnten es schließlich nicht ändern, wir waren ja eigentlich froh, dass wir so einen tollen Platz ergattert hatten und dass wir dafür keinen Cent bezahlen mussten. Wir ließen also alle gewähren und trödelten selbst ein bisschen in den Tag hinein. Während alle anderen dann langsam zu Wanderungen und Besichtigungstouren aufbrachen, machten wir es uns unter unserer Markise gemütlich. Wir hatten vor, erst wieder am nächsten Tag zum roten Felsen zu fahren, um den 10,6 km langen Base Walk um Uluru herum zu wandern oder noch einmal den Sonnenaufgang von Nahem zu bewundern und ins Cultural Center zu gehen. Aber an diesem Tag wollten wir uns nur mit “Uluru-Fernblick” zufrieden geben. Ja so war der Plan. Kurz vor 15 Uhr erhielten wir allerdings Besuch auf unserer Sanddüne, der uns freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass dies hier Privatbesitz sei und es nicht erlaubt sei, hier zu campen. Die beiden “Ranger” baten uns, zusammenzupacken und den Ort zu verlassen, da ansonsten eine Strafe von 1200 $ drohe. Da wir die einzigen waren, die auch tatsächlich anwesend waren, hinterließen die Männer an den anderen Campingtrailern und Zelten handschriftliche Nachrichten mit dem gleichlautenden Inhalt und außerdem schossen sie Fotos von allen Hinterlassenschaften oder Set Ups. Wir mussten also notgedrungen alles abbauen und “abreisen”. Da wir auf keinen Fall Geld für den Campingplatz im Resort bezahlen wollten, beschlossen wir, doch noch mal schnell zum Uluru zu fahren, den 2 km langen Mala Walk und den 1 km langen Kuniya Walk zu machen, einmal ringsherum zu fahren und dann zurück nach Curtin Springs zu brausen. (Das Freecamp in den Dünen ist mittlerweile geschlossen)

In ziemlicher Eile mussten wir nun Uluru abhandeln und das ist eigentlich schade, denn so wurden wir dem spirituellen Charme des roten Berges vielleicht nicht ganz so gerecht, wie wir uns das vorher ausgemalt hatten. Letztendlich nahmen wir uns aber doch so gut es eben ging Zeit und versuchten einfach zu genießen und alles in uns aufzusaugen.

 

Please don’t climb Uluru

Als wir auf dem Parkplatz ankamen, hatten wir auch die perfekte Sicht auf den Zugang zum Aufstieg und den steilen Weg nach oben. Hier tummelten sich auch tatsächlich noch (nicht zu wenige) Touristen, die dem Gipfel entgegen taumelten. Es war aber auch 17 Uhr und das Eingangstour zum Aufstieg wurde gerade dicht gemacht. Vor diesem Tor stehen 2 große Schautafeln auf denen ein paar Hinweise zum Aufstieg, Gefahren und Anzahl der Todesfälle in den letzten Jahren zu finden sind. Außerdem ist hier die eindeutige Bitte formuliert, NICHT hinauf zu klettern. (Ein offizielles Verbot gibt es nicht, aus Angst vor Tourismuseinbrüchen). Diese Schilder scheinen aber irgendwie nur wenige zu interessieren. Aber mal ganz ehrlich, wer kommt auch auf so einen absurden Gedanken, diesen heiligen Berg besteigen zu wollen??? Wir wissen nicht, wie man so eine Idee im Kopf haben kann oder warum man überhaupt hier her kommt, wenn man denkt, dass man den Zauber dieses Ortes nur greifen kann, wenn man schwitzend und ächzend draufrumklettert. (Mittlerweile haben wir erfahren, dass der Aufstieg ab Oktober 2019 gänzlich verboten wird – ein Glück!)

Wir schüttelten unsere Köpfe über soviel Ignoranz und machten uns auf den Weg zum Mala Walk. Der goldene Schein der langsam untergehenden Sonne und die im Wind raschelnden Bäumen um uns herum taten ihr übriges,dass uns Uluru in seinen Bann zog. Auf dem Weg begegneten uns die Besonderheiten dieses Ortes  auf ihre ganz eigene Art und Weise. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, was wir in diesem Moment fühlten, wir können nur so viel sagen:

1. Uluru ist viel mehr als nur ein roter Felsen. Er hat mehr Ecken und Kanten, Narben, Ausspülungen und Höhlen als man erwartet.

2. Es ist das Gefühl, wie in einer riesen großen Kirche zu stehen in der alle ehrfürchtig und andächtig umherwandeln, und versuchen ja kein lautes Geräusch von sich zu geben.

3. Es ist ein Ort, dem man mit viel Respekt begegnet.

4. Von diesem Ort nimmt man nichts mit und alles was man zurücklässt, sollen Fußspuren im roten Sand sein.

Und das sind Dinge, die wir jedem mit auf den Weg geben, der vor hat, Uluru zu besuchen. Es ist eine heilige Stätte und so sollte man sie auch behandeln!

Der kurze Mala Walk bot zahlreiche Informationen über das Leben und  Lehren der Aborigines, die diesen Stein ihr Zuhause nannten. Man sieht zahlreiche Höhlen und Felsformationen, manche Stellen sind entweder ausschließlich Frauen oder ausschließlich Männern vorbehalten (gewesen) und manche darf man nicht einmal fotografieren, da sie besonders heilig sind. (Einige asiatische Besucher ließen sich von den Hinweisschildern beim Selfie schießen allerdings gar nicht stören).

Anschließend fuhren wir zum Kuniya Walk, der zu einem Wasserloch führt und sich auf der südlichen Seite des Uluru befindet. Weil die Sonne dann schon sehr niedrig stand, mussten wir uns aber doch ziemlich beeilen, um den Berg noch mit dem Auto umrunden zu können.

Mit einem letzten Blick auf Uluru der sich nun so dunkel vor dem Sternenhimmel zeigte, wie bei der Begrüßung an unserem ersten Tag im Park, verabschiedeten wir uns von diesem Ort und wer weiß, vielleicht kommen wir ja doch einmal wieder hier her.

 

Im Herzen Australiens

Erstmal vorweg, in Alice Springs merkten wir ganz deutlich, dass im Northern Territory strenge Alkoholregularien herrschen. Bottleshops, die erst ab 14 Uhr nachmittags öffnen, dann sitzen da auch noch Polizisten drin, die einen beobachten und man muss unbedingt seine ID (Ausweis, Reisepass oder Führerschein) dabei haben, sonst gibt es gar nichts. Ja hier merkt man deutlich, dass es in Australien ein Alkoholproblem gibt. Ansonsten ist Alice eine Stadt wie jede andere, sie ist weder besonders schön noch besonders hässlich. Sie sticht allerdings heraus als eine der gefährlichsten Städte Australiens, was bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 27.000 schon etwas beachtliches ist. Jedenfalls warnt das Auswärtige Amt sogar und man soll als Tourist in Alice ein bisschen Vorsicht walten lassen (uns ist nichts passiert).

Dafür, dass die Stadt an einem der früher unerreichbarsten Orte Australiens gewachsen ist, gibt es hier aber trotzdem mittlerweile so ziemlich ALLES. Das Gefühl, irgendwo im Nirgendwo zu sein, ist irgendwann (leider) abhanden gekommen.

 

Deutsch-französische-Freundschaft und ein mutiger Radler

Davon einmal abgesehen, fanden wir in Alice einen sehr günstigen, wenn auch staubigen, Campingplatz für 15 AU$/Nacht. Dort schlossen wir auch gleich Bekanntschaft mit unserem Campingnachbar aus…. ratet mal… genau: Frankreich, und auf der anderen Seite mit einem japanischen Radler, der von Adelaide bis Darwin radeln wollte. Wir verbrachten 2 Abende bei Rum und Bier und hörten uns Geschichten aus Frankreich und Japan, was für uns besonders interessant war, an.

In Alice selbst erkundeten wir natürlich die, entgegen den Erwartungen, grüne Innenstadt und des Weiteren das Central Australia Museum sowie das Flugzeugmuseum. Außerdem begaben wir uns zu Fuß auf Ersatzteilsuche für Friedrich und legten dabei um die 12 km in der Stadt zurück.

Zwischendurch genossen wir die Abkühlung im campingplatzeigenen Pool (welch ein Luxus).

 

“Ich will ein Schwarzpfoten-Felskänguru sehen!”

Nach 4 Tagen hatten wir von der Stadt in der Wüste genug und so suchten wir die MacDonnell Ranges auf. Das ist eine Bergkette die sich von Alice Springs aus gesehen in westliche und in östliche Richtung erstreckt. Wenn man die West MacDonnell Ranges entlangfährt kann man dann weiter zum Kings Canyon und von da aus zum Uluru fahren, quasi in einem großen Bogen von ungefähr 700 km. Und genau das war unser Plan.

Unser erstes Ziel in den Ranges war Simpsons Gap (Gap = Spalte) ca. 18 km westlich von Alice Springs. Wie der Name schon sagt, ist es eine Kluft zwischen zwei Bergketten, an deren Grund sich ein tiefes kaltes Wasserloch befindet. Dieses wird gesäumt von großen Geröllhaufen, die den perfekten Lebensraum für das Schwarzpfoten-Felskänguru (black-footed rock-wallaby) bilden. Gesehen haben wir hier leider keines, vielleicht weil wir mitten am Tag hier waren.

Wir übersprangen Standley Chasm und fuhren gleich zum Ellery Creek Big Hole, was Simpsons Gap eigentlich ziemlich ähnlich war, nur dass das Wasserloch um einiges größer und zum Schwimmen freigegeben war. Deswegen waren wir hier natürlich nicht die einzigen. Aber das Wasser war so dermaßen kalt, dass wir wirklich nur eine ganz kleine Runde schwammen und auch gleich wieder draußen waren. Wir machten dann noch Bekanntschaft mit einem deutschen Pärchen aus Thüringen bzw. Ottendorf (bei Mittweida) in Sachsen. Wir trafen uns später wieder auf einer Restarea und tauschten uns über unsere jeweiligen Reiseerfahrungen aus. Es war schön mal wieder ein bisschen in unserer Muttersprache bzw. sogar in unserem Dialekt zu erzählen. Außerdem haben wir ein paar wertvolle Tipps für Kanada erhalten, zumindest was das Aufeinandertreffen mit Bären angeht.

Vorher ging es für uns beide aber erst noch zur Serpentine Gorge mit einem sagenhaften, aber sehr steilen Weg zu einem Aussichtspunkt. Hier durften wir wieder einmal den Anblick der rot leuchtenden Felsen im goldenen Schein des Sonnenuntergangs genießen. Ein Anblick, der wahrscheinlich australientypisch ist. Es ist tatsächlich so, dass Felsen nicht gleich Felsen sind, sie verändern je nach Sonnenlichteinfall ihre Farbe und damit auch irgendwie ihr Aussehen, was man noch besser am Uluru beobachten kann.

Der nächste Tag war einfach nur heiß und staubig. Wir schafften es gerade so, uns die Ochre Pits anzuschauen, die eine besondere Bedeutung für die Aborigines haben, denn hier haben die männlichen Vertreter Jahrtausende lang das Material für ihre Farben gewonnen. Alles in allem ist es zu Tage liegendes Ocker in 3 verschiedenen Tönen: Weiß, Gelb, und rötlich – sozusagen regenbogenfarben.

Gegen Mittag suchten wir uns ein Plätzchen auf dem Ormiston Gorge Campground und dann begann das Drama. Es wurde immer heißer, fast unerträglich. Jojo ging es so schon nicht gut und die Hitze tat ihr übriges. Zu allem Überfluss wehte auch noch ein starker fönartiger Wind, der die ganze Zeit Staub und Dreck auf dem Campingplatz hin und her wirbelte. Es war wirklich kaum zum Aushalten. Irgendwie schafften wir es, den Tag zu überstehen, und wanderten gegen Abend, als es endlich etwas kühler wurde, noch zum Aussichtspunkt.

Am nächsten Tag klingelte der Wecker schon 5.30 Uhr, denn heute hatten wir vor, den Pound Walk zu wandern. Und siehe da, das “schöne” Wetter vom Vortag hatte sich verabschiedet. Der Himmel zeigte sich wolkenverhangen und die Temperaturen wandermäßig gesehen absolut gigantisch. Also zogen wir gegen 7 Uhr los und wanderten in aller Seelenruhe und völlig allein den ca. 7 km langen Trail und kamen in den Genuss von fantastischen Ausblicken. Ab und zu blinzelte sogar die Sonne durch, was für die Fotos ganz gut war. An diesem Tag waren wir ausnahmsweise mal happy über “schlechtes” Wetter, weil es sich so einfach wandern ließ. Um 10 Uhr waren wir dann auch schon fertig mit der Wanderung und daher hatten wir noch genug Zeit uns die Redbank Gorge, etwas weiter westlich, anzuschauen. Und hier hatten wir dann eeendlich Glück, wir sahen, zwar versteckt zwischen den ganzen Felsen und vor dem Eingang einer winzigen Höhle sitzend, ein Schwarzpfoten-Känguru. Vorher hatten uns glücklicherweise 2 Französinnen den Tipp gegeben, die Augen offen zu halten, sonst wären wir wahrscheinlich an diesem possierlichen Tierchen vorbei gerannt.

Gegen Nachmittag gelangten wir dann zum Tylers Pass Lookout. Von hier aus hatten wir den Blick auf die Ebene, die sich hinter den Ranges erstreckte, und mitten drin gab es eine Erhebung von ringförmig angeordneten Bergen. Dieses Phänomen ist extraterrestrischer Herkunft, entstanden durch einen Kometeneinschlag. Nachdem wir einen Platzregen abgewartet hatten, fuhren wir dann noch zu diesem Krater, um uns die Sache mal von Nahem anzuschauen. Innen konnte man 2 kleine Wanderungen machen und erhielt dabei Informationen über die (vermutlichen) damaligen Verhältnisse. Wenn man bedenkt, welche Wucht so ein Einschlag haben muss, um Dreck und Gestein bewegen und letztendlich solche Berge entstehen lassen zu können, dann wird man ganz klein und ehrfürchtig vor so einer Naturgewalt.

 

 

Heiß und Kalt

Am nächsten Tag stand uns die Anfahrt in die Nähe des Watarrka Nationalparks bevor. Um dort hin zu gelangen mussten wir eine Gravelroad namens Mereenie Loop befahren, die sich in Privatbesitz befindet und nur mit Erlaubnis befahren werden darf. Die Permit hatten wir uns in der Glen Helen Station für 6 $ geholt. Wir ließen also wieder ein wenig Luft aus unseren Reifen entweichen und machten uns auf den Weg. Wir hatten schon so einiges über den Zustand der Straße gehört, vor allem dass es richtig schlimm und stark geriffelt sein soll. Nunja, unser Eindruck ist jetzt nicht der schlechteste gewesen. Aber gut, wir sind vielleicht schon erfahrungstechnisch fortgeschritten.

Was allerdings wirklich zu wünschen übrig ließ, war mal wieder das Wetter. Wir hatten unser Nachtlager auf einem Lookout, der auch als Restarea diente, eingerichtet und dort verbrachten wir auch den ganzen Nachmittag. Wolken, Sonne und Regen wechselten sich irgendwie ständig ab, aber dann kam auch noch ein schöner Sturm mit Gewitter hinzu. Das war für Jojo zu viel des Guten. Wir mussten unser Dachzelt wieder einklappen und unsere Notmatratze kam zum Einsatz. Die wurde im Auto auf der Rücksitzbank platziert, die Vorhänge zugezogen und wir quetschten uns dann zu zweit auf die hintere Reihe. Na das war ein Schauspiel. Zum Glück konnte das niemand sehen! Nein, im Ernst, wir hatten kaum Platz und wussten nicht, wie wir liegen sollten, es war also eine richtig besch***** Nacht! Ein bisschen frustriet blinzelten wir am nächsten Tag durch die Vorhänge. Vom Wetter her hatte sich nicht so viel geändert, es war immer noch grau in grau. Aber zumindest kein Donner mehr. Wir fuhren also in Richtung des im Nationalpark gelegenen Kings Canyon, versuchten im Carpark ein bisschen WiFi abzuzapfen und überlegten hin und her, was wir nun mit diesem Tag anfangen sollten. Es gab dann erstmal selbstgemachtes Frühstück in der Picknickarea, wo wir einen Tisch mit Überdachung fanden, während es um uns herum weiter nieselte. Mehr konnten wir diesem Tag dann doch nicht abgewinnen, also fuhren wir zurück zum Freecamp. Hier guckte dann endlich wieder die Sonne durch die Wolken, was für uns Anlass genug war, noch einen kurzen Spaziergang entlang der Klippen zu machen.

Am nächsten Tag wagten wir erneut einen “Angriff” auf die George Gill Ranges, denn wir hatten den Kings Canyon Rim Walk ins Auge gefasst, also den Rundweg auf dem Plateau entlang der tiefen Schlucht des Kings Canyon. Doch zunächst führte uns bei noch kühlen Temperaturen ein kurzer bequemer Weg in den Canyon hinein, der aber auf halber Strecke wegen herabgestürzten Felsen gesperrt war. Unsere Begeisterungsstürme hielten sich also noch in Grenzen. Nagut, Kräfte gesammelt und weiter ging es. Der Rim Walk startet mit einem sehr, sehr, sehr steilen Aufstieg. Oben angekommen, waren wir ganz schön aus der Puste. Während wir uns akklimatisierten und uns umschauten, konnten wir bereits einen kleinen Eindruck vom Canyon-Ausmaß gewinnen.

Achtung: Der Kings Canyon Rim Walk wird an heißen Tagen ab 9 Uhr geschlossen.

Anschließend führte der Weg über Stock und Stein und durch eine Art Mondlandschaft. Oder sagen wir, es sah um uns herum aus, als stünden überall versteinerte Bienenkörbe. Es ging weiter zu verschiedenen Aussichtspunkten und dabei richtig nah an die Felskante des Canyons. Also bloß keinen falschen Schritt machen und schön aneinander festhalten. Der Ausblick auf die gewaltige Schlucht war einfach phänomenal! Auf der gegenüberliegenden Seite sah man die riesige senkrechte Abbruchkante, während man selbst auf einer überhängenden Wand nah am ungesicherten Abgrund stand.

Der Weg führte weiter über einige Holztreppen hinunter in eine Schlucht und von da aus konnte man einen Abstecher zum Garden of Eden machen. Das ist ein unberührtes Wasserloch zwischen Palmen gelegen, wo sich die Tierwelt zum Trinken versammelt. Wenn man noch nie eine Gorge in Australien gesehen hat, ist es sicher ein idyllischer und beeindruckender Ort, für uns ein netter Platz zum verschnaufen, bevor es dann wieder ein paar Holztreppen steil hinaufging, um die zweite Hälfte des Trails zu bewältigen. Während sich die Sonne durch die Wolken kämpfte, spürten wir auch schon, dass es wärmer wurde. Zum Glück hatten wir genug Wasser dabei. Von hier oben war die Sicht wieder bemerkenswert und wir sahen, auf welchen Steilwänden wir erst wenige Minuten zuvor, auf der anderen Seite des Canyons, gestanden hatten. Da wird einem schon etwas mulmig in der Magengrube. Weiter ging es durch die Bienenkorbmondlandschaft zur letzten Etappe. Wir beendeten die Wanderung dann mit schmerzenden Füßen und Knien, da der allerletzte Abschnitt eine ganze Weile treppab führte und das ja bekanntlich kniebelastender ist als ein Aufstieg. Zum Abschluss füllten wir unseren Wasserhaushalt an den –kostenfreien- Trinkwasserspendern am Ende (bzw. am Anfang)des Weges auf.

Geschafft, aber dennoch glücklich und zufrieden, ließen wir uns in die Autositze plumpsen.

 

Die Fahrt in Richtung unseres nächsten Zieles, na ihr ahnt es schon: Uluru im Kata Tjuta Nationalpark, nahmen wir dann auch noch in Angriff.

 

Liebe Grüße

Tom &  Jojo

reise dich gesund